OPCW warnt: Syrien besitzt mehr als 1000 Tonnen an Chemiewaffen

Schon Ende letzten Jahres wurden Stimmen laut, Syrien besitze die größten Chemiewaffenbestände im Nahen Osten. Diese Warnung wurde jetzt von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) noch einmal konkretiesiert. Hier geht man davon aus, dass in Syrien mehr als 1000 Tonnen an chemischen Kampfstoffen zu finden sind. Eine unmittelbare Bedrohung durch sie wird in der Türkei derzeit jedoch nicht gesehen.

Wie der Generaldirektor der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), der türkische Diplomat Ahmet Üzümcü, mitteilte, befänden sich unter den in Syrien gelagerten chemischen Waffen Stoffe wie Sarin, Senfgas und das Nervengas VX sowie die entsprechenden Trägersysteme. Das berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Insgesamt handle es sich um einen Bestand von mehr als 1000 Tonnen.

Damaskus habe gegenüber der OPCW allerdings versichert, die C-Waffen nicht einzusetzen. Dennoch sei die Lage nach Einschätzung des türkischen Diplomaten „sehr Besorgnis erregendend“. Es gehe jetzt, so Üzümcü zur türkischen Tageszeitung Hürriyet, vor allem darum, die Chemiewaffen-Lager unter strikter Kontrolle zu halten sowie eine Verwendung der Waffen in dem seit März 2011 andauernden Konflikt zu verhindern.

Abdullah Gül sah Türkei von C-Waffen bedroht

Bereits Mitte November 2012 äußerte sich der türkische Präsident Abdullah Gül besorgt, dass Syrien seine Chemiewaffen gegen die Türkei richten könnte (er sprach in einem Interview mit der Financial Times über die Situation – mehr hier). Unbegründet war diese Sorge nicht: Schon Ende Juli vergangenen Jahres drohte das Regime im Falle eines „ausländischen Angriffs“ Chemiewaffen einzusetzen. So ließ der Sprecher des syrischen Außenministeriums, Dschihad Makdessi seinerzeit verlauten: „Die Generäle werden entscheiden, wann und wie die Waffen benutzt werden.“ Eine Aussage, die damals auch vom deutschen Außenminister Guido Westerwelle scharf kritisiert wurden. Damit enthülle, so Westerwelle, das syrische Regime ein weiteres Mal seine menschenverachtende Denkart. Der FDP-Politiker forderte alle Kräfte in Syrien dazu auf, „verantwortlich zur Sicherung etwaiger Chemiewaffenbestände beizutragen“.

Zuletzt wiegelte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu jedoch ab. Man erwarte nicht, dass Syrien seine chemischen Waffen in unmittelbarer Zukunft einsetze. Auf der anderen Seite wolle man aber auf eine solche Gefahr vorbereitet sein. „Wir sehen keine unmittelbare Gefahr chemischer Waffen, aber das Risiko besteht immer. Es besteht immer die Gefahr, wenn man die notwendigen chemischen Waffen und Raketen hat“, so Davutoğlu während einer Pressekonferenz mit seinem finnischen Amtskollegen Erkki Tuomioja, in Helsinki kurz vor Weihnachten (der türkische Geheimdienst hätte derzeit keine Informationen über eine Nutzung – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Türkei: Deutsche Soldaten bereiten Maraş auf syrischen C-Waffenangriff vor
Chemische Waffen: Türkei sieht keine unmittelbare Bedrohung aus Syrien
Abdullah Gül in größter Sorge: Syrien könnte chemische Waffen gegen Türkei einsetzen


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.