Recht auf Muttersprache auch vor der EU: Französischer Reporter will nicht Englisch sprechen

Der Journalist Jean Quatremer verurteilt die Organisatoren in Irland dafür, dass die Pressekonferenz nur in englischer Sprache abgehalten wurde. „Die EU-Präsidentschaft hat die Pflicht, die Mehrsprachigkeit zu respektieren oder zumindest die Arbeitssprachen der Institutionen“, kritisiert er. Man könne nicht voraussetzen, dass alle in der EU Englisch verstehen.

Anlässlich der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft Irlands fand in Dublin eine erste EU-Pressekonferenz statt. Doch ein bekannter französischer Journalist, der normaler Weise oft zugegen ist, entschied sich kurzfristig, an der Veranstaltung nicht teilzunehmen, berichtet france24. Der Grund: Die Pressekonferenz wurde nur in englischer Sprache gehalten und auf eine Übersetzung ins Französische verzichtet. „Für Irland hat die Europäische Union bereits eine offizielle Sprache und zu niemandes Überraschung ist es Englisch“, erzürnte sich der Journalist Jean Quatremer später in seinem Blog Coulisses de Bruxelles auf der französischen Zeitung Libération.

Die EU-Präsidentschaft habe die Pflicht, die „Mehrsprachigkeit zu respektieren”,  zumindest aber  „die Arbeitssprachen der Institutionen (Deutsch, Englisch, Französisch) oder die Pressesprachen (Englisch, Französisch)”, so Quatremer. Aber stattdessen „hat Irland beschlossen, überhaupt keine Übersetzung anzubieten“. Und das, obwohl Englisch nicht einmal Amtssprache in Irland sei – wenn, dann hätten sie wenigstens so konsequent sein müssen, und die Pressekonferenz in Gälisch abhalten müssen, schreibt Quatremer. Schließlich spreche nicht jeder Englisch. „Ich habe keine Lust, in einer Sprache regiert zu werden, die nicht meine eigene ist und die die meisten Europäer nicht wirklich beherrschen“, gibt der Journalist zu bedenken.

Die Pressekonferenz in Irland ist jedoch kein Einzelfall. Auch während der Ratspräsidentschaft Zyperns und Dänemarks wurden die Eröffnungs-Pressekonferenzen in englischer Sprache gehalten.

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