Minenunglücke in der Türkei: Allein 2012 starben 61 Kumpel

Erst am vergangenen Montag starben in der nordwesttürkischen Provinz Zonguldak acht Kohlekumpel auf Grund eines Methangas-Lecks in der Mine von Kozlu. Meldungen wie diese sind in der Türkei leider keine Seltenheit. Insgesamt lässt die Arbeitssicherheit in vielen Bereichen zu wünschen übrig.

61 Tote und 91 Verletzte in insgesamt 80 Minenunglücken: Davon fanden 55 unter der Erde statt. Das ist die traurige Bilanz für die Türkei im Jahre 2012. Das berichtet das Portal worldbulletin.net unter Berufung auf Zahlen der Vereinigung türkischer Minen-Ingenieure, die vor 2011 mit 79 Toten sogar einen noch höheren Wert ausrufen mussten. Doch es geht noch erschreckender: Betrachtet man die Zahlen in der Zeit von 1955 bis 2012, so starben insgesamt 3053 Türken und 326,208 weitere wurden während ihrer Arbeit in einer türkischen Mine verletzt.

Gefährlich wird es in der Türkei allerdings nicht nur für Kumpel, die auch andernorts unter höchst gefährlichen Bedingungen ihr Tagwerk verrichten. Denn wie die türkische Zeitung „ Taraf“ bereits Mitte vergangenen Jahres mit Bezug auf einen kürzlich veröffentlichen Report der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), berichtete, würden lediglich Algerien und El Salvador in Sachen Todesfällen auf Grund von Arbeitsunfällen hinter der Türkei liegen. Erhoben wurden Daten aus 82 Ländern.

Durchschnittlich drei Tote pro Tag bei Arbeitsunfällen

In ihrer „Istanbuler Erklärung“ forderte sie dazu auf, die Bemühungen um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen weiter voranzutreiben. Die ILO zeigte sich überzeugt, die „Förderung der Rechte der Arbeitnehmer auf ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld sollte als grundlegendes Menschenrecht anerkannt werden“. Bisher, so hieß es weiter, habe die Türkei wenig getan, um die Gefahren am Arbeitsplatz einzudämmen. Schlechte Hygiene-und Sicherheitsbedingungen am Arbeitsplatz hätten in der Türkei in den vergangenen Jahren im Großen wie im Kleinen epidemische Ausmaße angenommen. Erst im vergangen Juni zeigten sich Mitglieder der Parlamentarischen Kommission geschockt, als ein Arbeiter, der vor den Toren des Parlamentsgebäudes an den Drenageleitungen arbeitete, tot zusammenbrach. Ironischerweise genau zu der Zeit, als man drinnen über entsprechende gesetzliche Maßnahmen diskutierte.

Zonguldak: Schauplatz verheerender Unglücke

Nach Angaben der Sozialversicherungsanstalt (SGK) gäbe es in der Türkei täglich 172 Arbeitsunfälle mit durchschnittlich drei Toten. Eine weitere Zahl verdeutlicht das massive Problem: Zwischen 2000 und 2012 starben in der Türkei ganze 12,286 Menschen bei einem Arbeitsunfall (das sind die schlechtesten Zahlen in ganz Europa – mehr hier).

Erst am vergangenen Montag starben durch eine durch ein Gasleck verursachte Explosion acht Minenarbeiter in Zonguldak. Das Unglück ereignete sich 630 Meter unter der Erde. Nur ein Kumpel konnte lebend geborgen werden. Dort fand 1992 auch das bisher verheerendste Minenunglück der Türkei statt, das 270 Kumpel ebenfalls durch eine Gasexplosion das Leben kostete.

https://www.youtube.com/watch?v=oshlj-3x4sQ

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