Türkisches Militär dementiert: US-Soldaten haben in İncirlik keinen Koran zerrissen

Der türkische Generalstab hat Behauptungen, dass eine Gruppe von US-Soldaten eine Moschee angegriffen und Kopien des Koran auf dem Luftwaffenstützpunkt İncirlik in der südlichen Provinz Adana zerrissen habe, zurückgewiesen. Das Gerücht war von lokalen Medien gestreut worden.

Behauptungen, die in dieser Woche in einem lokalen Zeitungsbericht auftauchten, zufolge, hätten in İncirlik stationierte US-Soldaten die Fenster einer Moschee eingeworfen und Abschriften des Korans zerstört. Der Vorfall soll sich bereits an Silvester zugetragen haben. Die Moschee sei nach dem Angriff für Gebete geschlossen worden. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Der türkische Generalstab habe am vergangenen Donnerstag nun eine Erklärung veröffentlicht, in dem er die gemachten Behauptungen zurückwies. Demnach hätten eine Reihe Unbekannter die Fenster der Moschee eingeworfen. Dass daneben auch Koranausgaben zerrissen oder das Haus im Anschluss für Gebete geschlossen worden wäre, entsprächen nicht der Wahrheit. Unbestätigten Berichten zufolge, so das Blatt weiter, habe das Gouverneursbüro von Adana eine Untersuchung der Vorwürfe eingeleitet. So habe Gouverneur Hüseyin Avni Coş angeblich gesagt, dass es derzeit noch nicht klar wäre, ob die Untersuchungen vom Militär oder die zivile Staatsanwaltschaft durchgeführt werden solle.

Erinnerung an Koran-Verbrennungen in Afghanistan

Mit seinen Behauptungen hat der Zeitungsbericht einen wunden Punkt getroffen. Noch in allzu guter Erinnerung sind die Koran-Verbrennungen durch US-Soldaten auf dem US-Stützpunkt Bagram bei Kabul am 19. Februar vergangenen Jahres. Das türkische Außenministerium verurteilte die Vorfälle damals scharf (John R. Allen, Kommandant der Internationalen Schutztruppe Isaf, entschuldigte sich sofort öffentlich – mehr hier).  US-Präsident Barack Obama hatte sich seinerzeit mit einem Brief an den afghanischen Kollegen Karsai gewandt und das Ganze als ein „bedauerliches Versehen“ bezeichnet und um Entschuldigung gebeten. Karsai hingegen sprach von einem „Akt der Ignoranz und Gedankenlosigkeit gegenüber dem Islam“. Die Türkei lobte darauf hin Obama für seine „Sensibilität“ und erklärte, dass sie die weiteren Entwicklungen hinsichtlich dieses Vorfalls beobachten und auch weiterhin Warnungen aussprechen würden, damit solche Vorgänge künftig nicht mehr passierten.

Nach den Koranverbrennungen wüteten tagelang tödliche Proteste, die sich auch auf andere Staaten ausweiteten. Auch die Bundeswehr zog damals ihre Konsequenzen: Früher als zunächst geplant wurde der Stützpunkt in Talokan, der von Demonstranten mit Steinen beworfen wurde, vollständig geräumt.

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