Gérard Depardieu: Pussy Riot würden Besuch einer Moschee nicht überleben

Neu-Russe Gérard Depardieu sorgt gleich zu Beginn seiner Staatsbürgerschaft mit kontroversen Aussagen für Wirbel. Der französische Steuerflüchtling wirft Wladimir Putins Opposition nicht nur mangelnde politische Visionen vor. Er verteidigt auch das international scharf kritisierte Vorgehen des Kremls im Fall der Protest-Punkband Pussy Riot. In einem arabischen Land, so seine hanebüchene Argumentation, wäre es den Frauen weitaus schlimmer ergangen.

Der französische Schauspieler Gérard Depardieu hat seinen russischen Pass erst am 6. Januar während eines Essens mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin erhalten. Dass er aus dem hier herrschenden niedrigen Einkommenssteuersatz von nur 13 Prozent Kapital schlagen wolle bestritt er. Ob er jemals dauerhaft in Russland leben wolle, ließ er ebenfalls offen. Nichtsdestotrotz wurde der Schritt sowohl in der russischen als auch in der französischen Öffentlichkeit kritisch aufgenommen. Und jetzt legt der diskutable Lebemann erneut nach.

Von den russischen, regierungstreuen Medien bereits als neuer Staatsheld gefeiert, gibt sich Depardieu in seinen jüngsten Äußerungen schon voll auf Linie von Präsident Putin. „Die russische Opposition hat kein Programm – sie hat nichts“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Depardieus Äußerungen im russischen Staatsfernsehen. „Leider sind die Massen dumm. Nur das Individuum ist hervorragend“, so der Schauspieler mit Blick auf die Massenproteste des letzten Winters und die nun wieder aufflammenden Demonstrationen bezüglich des russischen Adoptionsverbots für US-Bürger. Die Opposition, so Depardieu weiter, habe sehr schlaue Köpfe, wie etwa den ehemaligen Schachweltmeister Garry Kasparov, in ihren Reihen. Doch das sei für gut für Schach, aber auch nicht mehr.

Strafe für Pussy Riot: Gérard Depardieu stellt sich hinter Putin

Doch nicht nur an der russischen Opposition ließ Putins Freund kein gutes Haar. Auch mit der russishen Protest-Punkband Pussy Riot, von der zwei Bandmitglieder gerade mehrjährige Haftstrafen in Sibirien verbüßen, ging er 64-Jährige scharf ins Gericht. Depardieu, so das türkische Blatt weiter, habe fast wortwörtlich Putins Argumentation wiederholt. Demnach wäre es den verurteilten Frauen weitaus schlechter ergangen, hätten sie ihr Protestgebet nicht in einer Moskauer Kathedrale, sondern in einer Moschee in einem muslimischen Land aufgeführt (erst kürzlich gab es Aufregung über US-Soldaten, die in einer Moschee ihr Unwesen getrieben haben sollen – mehr hier).

„Stellen sie sich einmal vor, diese Damen wären in eine Mosche marschiert – da wären sie nicht mehr lebend herausgekommen“, so der „Asterix & Obelix“-Darsteller. „Doch wenn ich so etwas in Frankreich sage, werde ich als Idiot bezeichnet.“ (die Koranverbrennungen 2012 sorgten für heftige Proteste – mehr hier)

Depardieus jüngste Äußerungen, so die Hürrieyt, hätten sich in der russischen Blogosphäre der Opposition rasch verbreitet. Der linke radikale Führer Sergei Udalzow soll sie gar als Herausforderung betrachten. „Es scheint, als wäre er an russischer Politik interessiert. Ich habe gehört, dass er ein paar Dinge über die Opposition zu sagen hat“, so Udaltsov zur Nachrichtenseite RIA Novosti. „Wir wären erfreut, ihn bei unserer nächsten Veranstaltungen zu sehen. Er wäre mehr als willkommen.“

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