Türkische Migranten: Portugal vergibt Reisepässe ab eine Million Euro

Portugal hat für wohlhabende Migranten aus der Türkei ein ungewöhnliches Anreizsystem erdacht. Diejenigen, die mindestens eine Million Euro in das Land investieren, sollen künftig nicht etwa Steuervergünstigungen oder ähnliches, sondern gleich einen portugiesischen Pass erhalten. Im sonnigen Süden Europas geht man derzeit davon aus, dass viele türkische Geschäftsleute davon Gebrauch machen werden.

Die Türkei tut sich derzeit schwer, ausländische Investoren ins Land zu locken. Zwar erwarten Fachleute für dieses Jahr einen Kapitalzufluss von gut 20 Milliarden Dollar. Doch im Ranking der Weltbank kommt das Land noch immer nicht gut weg. Wie schon 2011 lag die Türkei bei der Bewertung seines Geschäftsklimas auch 2012 auf Rang 71 von 185 (rund um Istanbul herrscht erheblicher Nachholbedarf – mehr hier). Vielleicht liegt des Rätsels Lösung nicht vor der eigenen Haustür, sondern im weit entfernten Portugal.

Wie das niederländische Portal bnr.nl aktuell berichtet, habe man dort einen neuen Weg gefunden, um ausländische Investoren ins Land zu locken. Die einfache Rechnung, die in der hiesigen Bevölkerung mittlerweile als „Goldenes Visum“ bezeichnet wird: Wer mehr als eine Million Euro in eine portugiesische Gesellschaft investiert, bekommt einen portugiesischen Pass gleich noch obendrauf.

„Goldenes Visum“ verschafft Zutritt zur gesamten EU

Das angeschlagene Portugal, so das Blatt, wolle sich künftig vor allem auf reiche Immigranten konzentrieren. Und mit dem nun in Aussicht gestellten Pass stünde den Gönnern aus der Ferne in Zukunft nicht nur Portugal offen, sondern quasi die gesamte Europäische Union – mit all ihren weiteren Möglichkeiten, das eigene Kapital sinnvoll einzubringen oder sich fernab der Heimat bequem einzurichten.

Alternativ zur einen Million Euro gelte übrigens auch die Schaffung von wenigstens 30 Arbeitsplätzen oder der Erwerb einer mindestens 500.000 Euro teuren Immobilie als legitim. Ist eine dieser Hürden geschafft, gibt es zunächst ein „Initial“-Visum für zwei Jahre. Bleibt das Kapital länger als fünf Jahre im Land, kann daraus eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung oder gar ein Pass hervorgehen.

Gesetz zielt auch auf Brasilien, Angola oder Mosambik

Dass ein solches Vorhaben innerhalb der Europäischen Union nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt, liegt jedoch auf der Hand. Es werde befürchtet, so bnr.nl weiter, dass sich durch eine solche Regelung ein Schlupfloch für türkische Migranten auftue, die versuchen, in Europa Fuß zu fassen. Denn mit einer portugiesischen Aufenthaltsgenehmigung könnten sich diejenigen theoretisch auch in einer anderen europäischen Stadt niederlassen (die türkische Bevölkerung verabschiedet sich derzeit vom EU-Beitritt – mehr hier).

Das Gesetz wurde von der Regierung von Portugals Staatschef Aníbal Cavaco Silva bereits im vergangenen Oktober verabschiedet und zielt neben türkischen Investoren auch auf Geldgeber aus den ehemaligen Kolonien Brasilien, Angola oder Mosambik.

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