Krisen-Management: Türkei ernennt eigenen Gouverneur für syrische Flüchtlinge

Die Türkei hat nun einen weiteren Schritt unternommen, der gigantischen Flüchtlingsströme aus dem benachbarten Syrien auf organisatorische Ebene Herr zu werden. Hierzu wurde ein Koordinations-Gouverneur ernannt, der einzig für die syrischen Flüchtlinge in der Türkei zuständig ist.

Wie die türkische Hürriyet erst jetzt mitteilt, habe Veysel Dalmaz seinen neuen Posten als Koordinations-Gouverneur bereits im November 2012 angetreten. Seither, so berichtet das Blatt, zeichne er verantwortlich für die Angelegenheiten der fast 200.000 Flüchtlinge, die die Türkei derzeit als ihre Heimat betrachten (in Kürze wird in Kilis Demokratie im Kleinen eingeübt – mehr hier).

In den Verantwortungsbereich von Dalmaz falle unter anderem die Errichtung neuer Flüchtlingslager, das Sicherheitstellen der Versorgung mit Lebensmitteln und medizinischen Leistungen sowie die Verteilung der Geflohenen auf die einzelnen Lager.

Derzeit mindestens 150.000 Flüchtlinge in der Türkei

Nach Angaben des UNHCR habe die Türkei mit Stand vom 18. Dezember 2012 142,670 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die tatsächliche Zahl dürfte wahrscheinlich viel höher liegen, da die offiziellen Zahlen nicht die Zehntausende von Syrern beinhalten, die nicht registriert und in türkischen Häusern untergekommen sind. Seit Beginn des Syrienkonflikts im März 2011 wurden in der Türkei mittlerweile 13 Zeltstädte errichtet. Darüber hinaus gibt es in Kilis eine Containerstadt, die Platz für 12.000 Flüchtlinge bietet. Insgesamt gibt es fünf Zeltstädte in Hatay, zwei in Şanlıurfa, drei in Gaziantep und jeweils eine in Kahramanmaraş, Osmaniye und Adıyaman.

Regimetreue fürchten „osmanische Besatzung“ in Syrien

Wie das Greenpeace-Magazin unterdessen meldet, rege sich in den Reihen regimetreuer Syrer und Teilen der Opposition nun Widerstand gegen Veysel Dalmaz. Dabei trage er diesen Titel nur, weil er zuvor Gouverneur einer türkischen Provinz gewesen sei. Greenpeace zitiert hier die syrische Website „Neworientnews“. Diese habe an diesem Montag geschrieben, dass man eine „osmanische Besatzung“ in Syrien verhindern müsse. Auch Oppositionelle warnten: Syrien sei keine türkische Provinz. Der oppositionelle Syrische Nationalrat (SNC), der seinen Sitz in Istanbul hat, habe die Entscheidung, Dalmaz zu ernennen, hingegen begrüßt (der Aufstand kostete bisher mehr als 60.000 Menschenleben – mehr hier).

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