Nach Disput mit der Türkei: Standard & Poor’s wird nur noch freiwillige Ratings erstellen

Ankara hat sich entschieden die Dienstleistungen der Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s nicht mehr in Anspruch zu nehmen. Zuvor hatte Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei herabgestuft. Premierminister Erdogan reagierte mit der Drohung, eine türkische Ratingagentur ins Leben zu rufen. Schon zuvor geriet die renommierte Ratingagentur, aufgrund falscher Bewertungen international in Verruf.

Die türkische Tageszeitung Hürriyet berichtet, dass die internationale Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s die Türkei auch ohne eine vertragliche Grundlage bewerten wolle (Kreditnoten vergeben Ratingagenturen gegen Zahlung einer vertraglich festgelegten jährlichen Gebühr). Umfassende Dienste soll die Türkei hingegen nicht in Anspruch nehmen können. Im Mai 2012 stufte Standard & Poor’s die Kreditwürdigkeit der Türkei von positiv auf stabil ab. Als Grund wurde das Handelsbilanzdefizit der türkischen Republik angegeben (Mehr hierzu).

Erdogan wütend über Standard & Poor’s

Erdogan war damals erbost und äußerte sein Unverständnis für die Herabstufung seines Landes, bei gleichzeitiger Heraufstufung Griechenlands. Anschließend ließ er verkünden, dass man den jährlichen Vertrag auslaufen lassen wolle. Die Milliyet berichtet, dass das türkische Schatzamt von nun an mit den Ratingagenturen Fitch und Moody`s zusammenarbeiten werde. Die jährlichen Verträge sollen mit diesen beiden Agenturen geschlossen werden, so die Anadolu News Agency. Fitch hatte zuvor-obwohl keine vertragliche Bindung vorlag-die Kreditwürdigkeit der Türkei bewertet und heraufgestuft.

Standard & Poor’s ist international hochumstritten

Die Türken sind nicht die Ersten, die sich über Standard & Poor’s beschweren. Einem Bericht des Handelsblatts zufolge, wurden im Frühjar 2012 die Dienstleistungsgebühren von Standard & Poor’s enorm angehoben. Infolgedessen kam es zu einem Protest von insgesamt zwölf deutschen Konzernen, die Standard & Poor’s in einem offenen Brief kritisierten. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel die Deutsche Post und Heidelberg Cement beendeten die Zusammenarbeit. Im Jahre 2011 nahm die umstrittene Ratingagentur fälschlicherweise die Herabstufung von Frankreich und den USA vor. Ein Jahr später kam es sogar zu einer Verurteilung  durch das australische Bundesgericht, aufgrund irreführender Bewertungen von Finanzprodukten, so das Wall Street Journal (Mehr hierzu).

Mehr zum weiterlesen:

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