DITIB-Gemeinde: Erster öffentlicher Muezzinruf in Eschweiler

Am vergangenen Freitag ertönte in Eschweiler erstmals ein öffentlicher Gebetsruf. Der Entscheidungs- und Genehmigungsprozess nach Anfrage der DITIB-Gemeinde im April 2011 hatte weit über ein Jahr in Anspruch genommen. Für die Türkisch islamische Union der Anstalt für Religion e.V. ein „historisches Ereignis“.

Die Gastgeber, Bahri Çifçi als Vorsitzender der DITIB-Gemeinde zu Eschweiler sowie der Vorstand samt zahlreicher Gemeindemitglieder, feierten den ersten öffentlichen Muezzinruf in der Moschee an der Wollenweberstraße mit zahlreichen hochrangigen Gästen. Unter den geladenen Anwesenden, so informiert die DITIB, waren unter anderem Mustafa Kemal Basa, Generalkonsul des türkischen Generalkonsulats Köln, Edmin Atlagic, Vorsitzender der Bosnischen Muslimgemeinde Deutschland, Tayfun Keltek, Vorsitzender des Landesintegrationsrates NRW, Professor Izzet Er, Vorstandsvorsitzender des DITIB Dachverbandes und weitere Mitglieder des Bundesvorstandes der DITIB.

„Toleranz muss man täglich üben“

Im Rahmen seiner Ansprache während des Festaktes wünschte sich insbesondere Bürgermeister Rudi Bertram nach all den intensiven und konstruktiven Gesprächen auch weiterhin eine offene und vertrauensvolle Begegnung und gelebte Toleranz. Im Rathaus habe man lange darüber diskutiert. Außerdem sei es ein weiterer Schritt zur Integration. Alle seien dafür verantwortlich, dass es ein Miteinander gibt. „Offen gesagt, wir haben dafür auch viel Kritik geerntet und machten diesen Schritt dennoch. Daher sollten wir alle zusammen Toleranz fördern und leben. Toleranz muss man täglich üben“, zitiert die DITIB den Bürgermeister weiter.

Dieser Gedanke wurde auch von Theologe und Hochschulprofessor Dr. Izzet Er, Bundesvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) aufgenommen. Er erinnerte die Gäste des Festaktes nicht nur an den Gesellschaftsvertrag aus der Entstehungszeit des Islam, der Juden, Christen, Polyhtheisten und Muslime als eine einzige Gemeinschaft, als Umma bezeichnet. Er verwies außerdem auf das Zusammenleben der Religionen in der Türkei. „ In den Städten wie Istanbul, Izmir, Antakya usw. (dürfen) die Kirchen öffentlich zum Gottesdienst läuten. Dies ist Ausdruck eines vitalen christlichen Gemeindelebens und gelebter Toleranz. Dass der Ruf des Muezzins zum Freitag öffentlich gehalten werden kann, ist ein Zeichen von Teilwerdung und Normalität, ein Zeichen für gelebte Zugehörigkeit und Toleranz. So danken wir all Jenen, die dies ermöglicht haben und damit das vitale Zusammenleben fördern.“ (die Türkische Gemeinde zu Berlin macht sich gerade für die doppelte Staatsbürgerschaft stark – mehr hier)

Keine Diskussion: Islam gehört zu Deutschland

Abschließend ergriff Generalkonsul Mustafa Kemal Basa das Wort. In seiner kurzen Ansprache ging er auf eine immer wieder aufflammende Debatte in der Bundesrepublik ein. Seiner Ansicht nach, mache dieser erste öffentliche Muezzinruf in Eschweiler allerdings jede Diskussion darüber überflüssig, ob der Islam zu Deutschland gehöre (erst Ende Oktober 2012 besuchte Bundespräsident Joachim Gauck erstmals eine Moschee – mehr hier).

Dieser wird von nun an jeden Freitag zu hören sein. Erst im vergangenen Dezember hatte der Stadtrat dem Anliegen geschlossen zugestimmt. Das Gebetshaus ist seit 21 Jahren im Besitz der Gemeinde.

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