Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: British Airways hat christliche Mitarbeiterin diskriminiert

Großbritannien hat sich eine Rüge vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingehandelt. Der Grund: Die britische Fluggesellschaft British Airways hat einer gläubigen Christin das Tragen eines Kreuzes an einer Kette während der Arbeitszeit untersagt. Drei weitere Klagen orthodoxer Christen wies das Gericht jedoch ab.

Die praktizierende Christin Nadia Eweida, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, die bei der britischen Fluglinie British Airways am Check-in beschäftigt ist, hatte in ihrer Heimat eine breite Debatte über Religion im öffentlichen Leben entfacht. Die heute 62-Jährige musste im Herbst 2006 ihren Arbeitsplatz verlassen, weil sie sich geweigert hatte, ihr Kreuz während der Arbeit abzulegen und damit gegen das Verbot der Airline verstieß, das den Mitarbeitern das Tragen sichtbarer religiöser Symbole  untersagt. Auf der anderen Seite ist es muslimischen Frauen oder auch Sikhs jedoch gestattet, ein Kopftuch beziehungsweise einen Turban in den Farben der Uniform zu tragen.

Verstoß gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit

Dieses Verbot, so urteilte am vergangenen Dienstag der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte, stelle einen Verstoß gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit dar. Außerdem sei Eweida durch dieses Vorgehen diskriminiert worden. Nun muss Großbritannien 2000 Euro Schadensersatz an sie zahlen (weil sie wegen ihres Kopftuchs abgelehnt wurde, bekam eine Muslima vor Gericht in Berlin Recht – mehr hier).

Auf Druck der Medien, so heißt es weiter, habe British Airways sein Regelwerk dahin gehend geändert, dass fortan auch das Tragen von Kreuzen erlaubt sei. Darauf hin kehrte Nadia Eweida wieder an ihren Arbeitsplatz zurück. Ein Gehalt für fast fünf Monate, in denen sie nicht zur Arbeit kommen konnte, blieb man ihr allerdings schuldig. Nachdem sie vor britischen Arbeitsgerichten keinen Erfolg hatte, zog sie schließlich vor das Gericht in Brüssel (wegen des Kopftuchverbots geriet auch Disney in die Kritik – mehr hier).

Anders wurde dort über drei weitere Fälle entschieden. Eine Krankenschwester, der während der Arbeit in einem staatlichen Haus das Tragen eines Kreuzes untersagt wurde, hatte ebenso das Nachsehen wie eine Standesbeamtin, die gemäß ihrer christlichen Überzeugung keine gleichgeschlechtlichen Ehen schließen wollte. Schließlich hatte auch ein streng gläubiger Therapeut, der keine homosexuellen Paare beraten wollte, keinen Erfolg.

Mehr zum Thema:

Türkei: Gesetzesentwurf soll Diskriminierung an Hochschulen verhindern
Migranten bei der Bundeswehr: Alles ist möglich – außer dem Kopftuch
6-Jähriger ist HIV positiv: Schule in Şanlıurfa verweigert die Aufnahme

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.