Doppelmord in Neukölln: Mutmaßlicher Täter bleibt stumm

Auch einen Tag nach der Bluttat in einem Imbiss im Berliner Stadtteil Neukölln schweigt sich der mutmaßliche Täter aus. Der 45-jährige Bäcker, der noch an diesem Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt werden soll, war schon im vergangenen Jahr bei der Polizei bekannt geworden. Seine Ex-Freundin, eine der beiden toten Frauen, hatte ihn damals wegen Nötigung angezeigt.

Wie ein Lauffeuer verbreitete sich am vergangenen Mittwoch die Nachricht von der Bluttat, die sich am Morgen in einem kleinen Imbiss in der Flughafenstraße im Berliner Stadtteil Neukölln zugetragen hat. Den beiden 33 und 38 Jahre alten Opfern wurde mehrfach in den Kopf geschossen. Eine der Frauen starb noch am Tatort, die andere wenig später in der Klinik trotz Notoperation. Schnell kamen Fragen nach dem Warum auf. Wieso war der Täter so zielstrebig in den Laden marschiert? Handelte es sich um eine Beziehungstat? (mittlerweile werden geschundene Frauen und Kinder auch ins türkische Zeugenschutzprogramm aufgenommen – mehr hier)

In der Tat: „Die Ermittler der 8. Mordkommission gehen von einer Beziehungstat aus“, heißt es hierzu im Polizeibericht. Unmittelbar nach der Tat nahmen die Polizeibeamten einen 45-jährigen Bäcker fest. Eine der beiden Getöteten soll seine Ex-Freundin, die andere deren Schwester gewesen sein. Diese hatte die Polizei nach Angaben der Sprecherin der Berliner Staatsanwaltschaft bereits im vergangenen Jahr um Hilfe gebeten. Weil sie von ihrem Ex-Freund belästigt wurde, hatte sie Anzeige erstattet. Damals kam er jedoch mit einer Geldstrafe über 600 Euro davon.

Mutmaßlicher Täter schweigt beharrlich

Warum die Situation jetzt derart eskalierte, darüber schweigt sich der mutmaßliche Täter jedoch vehement aus. Noch an diesem Nachmittag geht es für ihn vor den Haftrichter. Es wird erwartet, dass ein Haftbefehl ausgestellt und der Mann in Untersuchungshaft verlegt wird.

Unterdessen ruft an diesem Donnerstag der Verein BIG e.V. dazu auf, bei Partnerschaftsgewalt nicht tatenlos zu bleiben. Seit Jahresbeginn, so heißt es hierzu in einer Mitteilung, hätten allein in Berlin drei Frauen durch ihre ehemaligen Partner den Tod gefunden. Diese Zahl sei unerträglich. Dabei mache sie nur einen kleinen Teil der Gewalt aus, die Frauen in Deutschland täglich durch ihre (ehemaligen) Partner erfahren würden. „Auch unterhalb solcher eskalierter Taten gibt es täglich eine Vielzahl weniger auffälliger Gewaltakte gegen Frauen durch ihre Partner oder ehemaligen Partner. Das zeigt eine Dunkelfeldstudie des BMFSFJ: jede vierte Frau in Deutschland ist von häuslicher Gewalt betroffen. 2/3 dieser Betroffenen werden über einen längeren Zeitraum hinweg schwer misshandelt“, klärt BIG e.V. auf. In ganz Europa sei die Hauptursache für den Tod oder die Verletzung von Frauen Gewalt durch den eigenen (ehemaligen) Partner.

Bundesweit fliehen rund 35.000 Frauen in Frauenhäuser

„Tötungen wie die in Neukölln oder Steglitz-Zehlendorf sind in den meisten Fällen das Ende einer langen Gewaltvorgeschichte, die über Monate oder Jahre hinweg eskaliert ist, so die Geschäftsführerin der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen, Patricia Schneider. Sie rät dringend: „Betroffene sollten deshalb am besten lange vor bedrohlichen Trennungsphasen Schutz und Hilfe durch Beratungsstellen, Polizei und Familiengerichte in Anspruch nehmen. Angst oder Scham sollten keine Rolle dabei spielen, umfassend Hilfe zu suchen.“ Gewalt sei Gewalt, egal, wo sie passiere: „Auch häusliche Gewalt ist eine Straftat. Wir appellieren an alle, die diese Gewalt selbst erfahren oder sie bei Anderen vermuten, nicht tatenlos zu bleiben.“

Bundesweit, so informiert der Verein, fliehen etwa 35.000 Frauen und Kinder jährlich in ein Frauenhaus. Allein im Jahr 2011 registrierte die Polizei Berlin 16.108 Fälle häuslicher Gewalt. 2004 waren es noch 12.814 (in der Türkei befinden sich aktuell gut 11.000 Frauen in staatlicher Obhut – mehr hier).

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