Trauer in der türkischen Journalistenszene: Mehmet Ali Birand ist tot

Am Donnerstag herrschte noch Verwirrung, jetzt ist es traurige Gewissheit: Der bekannte türkische Journalist Mehmet Ali Birand ist im Alter von 71 Jahren in Istanbul verstorben. Der Vorsitzende der Kanal D News-Gruppe, der während seiner 48-jährigen Karriere vehemennt für mehr Freiheiten und Demokratie in der Türkei einstand, litt an Krebs.

Wie Mehmet Ali Birands Sohn Umur der Presse mitteilte, sei sein Vater am Donnerstag einer Infektion erlegen. Doch schon zuvor gab es in den Medien immer wieder Meldungen, der altgediente Journalist sei verstorben. Nachrichten, die zunächst noch dementiert und darauf verwiesen wurde, dass sich Birand nach wie vor auf der Intentsivstation befinde.

Mehmet Ali Birand: Neugierig und alles andere als bequem

Mehmet Ali Birand, der am 9. Dezember 1941 in Beyoğlu geboren wurde und kurdische Wurzeln hatte, begann seine Karriere im Jahr 1964 bei der türkischen Zeitung Milliyet. Bekannt wurde er dann durch eine Reihe von Interviews und Dokumentationen, die in den 80er Jahren enstanden. Seine Bücher über den türkischen EU-Beitritt, das türkische Militär und die türkische Intervention in Zypern wurden in mehrere Sprachen übersetzt (noch immer herrscht in der Türkei ein Klima der Angst – mehr hier).

Birand interviewte in der Zeit des Kalten Krieges zahlreiche Führer der Welt, einschließlich der damaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher, den verstorbenen Führer der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) Jassir Arafat und den irakischen Diktator Saddam Hussein. Sein Programm „32. Gün“ avancierte in den 80er Jahren zur regelrechten Marke und diente nicht wenigen Journalisten in der Türkei als Vorbild. Schließlich gehörte Birand zu einer Reihe von liberalen Journalisten, die von ihren Chefs im Jahr 1997 unter dem Druck der Militärs, das auch die pro-islamische Regierung gestürzt hatte, gefeuert wurden (um die Pressefreiheit in der Türkei ist es nicht zum Besten bestellt – mehr hier).

Politische Türkei trauert um vorbildlichen Journalisten

Erst am vergangenen Mittwoch wurde Birand ins amerikanische Krankenhaus in Istanbul eingeliefert. Dort sollte operativ ein Stent in seiner Gallenblase ersetzt werden. Danach verblieb er auf der Intensivstation.

Sein Tod blieb auch in höchsten politischen Kreisen der Türkei nicht unkommentiert. In der langen Reihe der Kondolierenden finden sich unter anderem Präsident Abdullah Gül, Premier Recep Tayyip Erdoğan, Gesundheitsminister Recep Akdağ, Parlamentssprecher Cemil Çiçek, Familienministerin Fatma Şahin, der ehemalige türkische Präsident Süleyman Demirel und CHP-Vorsitzender Kemal Kılıçdaroğlu wieder. Sie alle lobten das Schaffen Birands und bezeichneten ihn als ein Symbol des professionellen Journalismus.

Am kommenden Samstag soll die Beisetzung stattfinden.

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