Lob aus Schweden: Europa braucht den türkischen Unternehmergeist

Die Europäische Union braucht, insbesondere in Anbetracht der derzeit herrschenden Krisenzeiten, den unternehmerischen Geist der Türkei. Dieser Ansicht ist die schwedische Handelsministerin im Außenministerium Dr. Ewa Björling. Gleichzeitig signalisierte die skandinavische Politikerin weitere Unterstützung für eine türkischen EU-Mitgliedschaft.

Mit Blick auf die EU, die derzeit der wichtigste Handelspartner der Türkei ist, erscheint es der schwedischen Handelsministerin Dr. Ewa Björling im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet nur natürlich, dass die Türkei ihren unternehmerischen Geist nach Europa trage. Auch für Europa sei das Land umgekehrt ein wichtiger Partner, so dass sie an eine absolute „Win-Win-Situation“ für beide glaube.

Schweden wird türkischen EU-Beitritt weiter unterstützen

Dr. Björling, die am vergangenen Mittwoch an einem Essen der Schwedischen Sustainable Business Community in der Türkei teilgenommen hatte, stellte vor der Zeitung vor allem den günstigen Standort der Türkei heraus. Das Land sei für die EU äußerst wichtig, wenn es darum gehe, den Rest der Welt zu erreichen, vor allem wenn es um den Nahen Osten gehe. Ohnehin hätte die Türkei Zugang zu allen wichtigen Märkten.

„Die Türkei ist ein großes und wichtiges Land mit 75 Millionen Einwohnern. Weitere Länder müssen erkennen, dass es notwendig ist, die EU-Verhandlungen [mit der Türkei] wieder neu zu starten. Beide Parteien müssen wieder an einen Tisch und weitermachen. Ihr solltet nicht aufgeben: Das ist meine Botschaft an die EU und die Türkei“, so Björling. Wohlwollend sprach sie sich auch für ihren türkischen Amtskollegen Zafer Çağlayan aus, auf den sie im Rahmen der Veranstaltung ebenfalls getroffen war. „Schweden hat eine EU-Mitgliedschaft der Türkei schon immer unterstützt und wird das auch weiterhin tun.“ (in Richtung EU hat sich kürzlich erst wieder der türkische EU-Minister Egemen Bağış bemüht – mehr hier)

Junge, türkische Kollegen für schwedischen Arbeitsmarkt

Dabei hat das Land natürlich auch eigene Interessen im Blick. Auf Grund seiner demographischen Situation, so Björling, brauche Schweden auf seinem Arbeitsmarkt mehr junge Leute. „Wir haben die liberalste Arbeitsmigrations-Gesetzgebung in ganz Europa. Der Grund dafür ist, dass wir erkannt haben, dass wir mehr Menschen aus anderen Ländern benötigen, junge Leute, die in Schweden arbeiten wollen.“ Innerhalb der nächsten 20 bis 30 Jahre würde der hiesige Arbeitsmarkt zunehmend überaltern. Die Türkei, so die Ansicht der Ministerin, könnte eine gute Quelle für diesen sein. Ohnehin könnten Schweden und die Türkei auf vielen Gebieten zusammen arbeiten. Im Blick, so schreibt die Hürriyet weiter, habe sie hier vor allem den Telekommunikationssektor. Wichtig sei es dahingehend, dass die türkische Regierung sich mit 4G auseinandersetze. Derzeit habe man es mit einer 3G-Generation zu tun. Doch man müsse offen sein für den nächsten Schritt, wie man das in Schweden bereits sei.

Weitere, signifikante Kollaborationen könnten sich ihrer Meinung nach ergeben, wenn die Türkei in Zukunft mehr auf  saubere und grüne Energie setzen würde. Cleantech und Umweltschutz seien bedeutend für den gesamten Planeten. Schweden habe auf diesem Gebiet eine Menge Lösungen anzubieten. Sie jedenfalls hoffe, dass man hier künftig zu einer Reiher formaler Vereinbarungen käme (derweil führt die Türkei neue Atomenergiegespräche mit Frankreich – mehr hier).

Ob ein schwedischer Automobilhersteller tatsächlich an der Herstellung des ersten türkischen Autos beteiligt sei, darüber wollte Bjorling nicht spekulieren. Sie fügte aber hinzu, dass sie gerne mehr schwedische Unternehmen in der Türkei und umgekehrt mehr türkische Firmen in Schweden sehen würde. In diesem Zusammenhang wies Bjorling darauf hin, dass das schwedische Konsulat eine Vereinbarung mit der Istanbuler Handelskammer unterzeichnet habe, das die Visa-Verfahren für türkische Geschäftsleute, die in das skandinavische Land reisen wollen, erleichtern würde.

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