Wiedervereinigung in Sicht: Spielen türkisch-zypriotische Fußballer bald international?

Was auf politischem Terrain nicht gelingt, könnte jetzt zumindest auf dem Fußballfeld klappen: Offizielle von beiden Seiten des geteilten Zyperns haben erklärt, dass man nahe daran wäre, die beiden rivalisierenden Fußball-Organisationen der Insel wieder zu vereinen. Dies würde auch bedeuten, dass die türkisch-zypriotisch Mannschaft künftig wieder international antreten könnte.

„Es gibt Licht am Ende des Tunnels“, zitiert die türkische Tageszeitung Zaman den Präsidenten des griechisch-zypriotischen Fußballverbands Costas Koutsokoumnis mit Blick auf eine baldige Einigung. Zuvor hatte er sich mit seinem türkisch-zypriotischen Amtskollegen Hasan Sertoğlu ausgetauscht. „Wir sind uns in den meisten Punkten einig, wir müssen das Paket aber noch so schnüren, dass auch andere Leute damit einverstanden sind.“

Verbände wollen Grundsatzerklärung ausarbeiten

Schon jetzt kündigte Koutsokoumnis an, dass er sich erneut mit Sertoğlu treffen wolle. Bereits im kommenden März solle die Vereinbarung, so hoffe er jedenfalls, in der FIFA-Zentrale in Zürich unter Dach und Fach gebracht werden. FIFA-Beobachter Primo Corvaro, der dem jüngsten Treffen im Hauptquartier des türkisch-zypriotischen Verbandes beiwohnte, erklärte, dass beide Seiten in Zürich versuchen wollten, eine Grundsatzerklärung auszuarbeiten, die anschließend von weiteren Treffen begleitet würde, um letztlich herauszufinden, wie die Vereinbarung funktioniere.

Die Insel Zypern wurde im Jahr 1974 geteilt (derzeit marschiert Zypern in Richtung Staatspleite – mehr hier). Nur der griechisch-zypriotische Fußballverband wird derzeit von der FIFA anerkannt. Fußball gehört jedoch zu den beliebtesten Sportarten in beiden Hälften des geteilten Eilands. Ein derartiges Abkommen, so konstatiert auch die türkische Zeitung, wäre vor allem für den türkischen Teil der Insel, der seit Jahrzehnten isoliert sei, ein echter Segen. Denn im Gegensatz zu den Spielern dort, hätten die griechisch-zypriotischen Kollegen bemerkenswerte internationale Erfolge feiern können. Zuletzt sorgte etwa Apoel Nikosia für Aufsehen, als man sich Anfang 2012 im Viertelfinale der Champions League wiederfand.

Türken müssen griechisch-zypriotischen Verband akzeptieren

Zypern gründete bereits im Jahr 1955 seine eigene Vereinigung. Heute ist Nordzypern  Mitglied des NF-Board, des Fußballverbandes für Nationalmannschaften, die nicht Mitglieder der FIFA sind. Zahlreiche Bemühungen, die Verbände im Laufe der Jahre wiederzuvereinen scheiterten an der komplexen Politik der Insel. Als ein wesentlicher Grund wird jedoch die Abneigung gegen die Autorität des griechisch-zypriotischen Verbands durch die türkische Seite gesehen. Das ist jedoch eine notwendige Voraussetzung, da die FIFA nicht zwei Verbände in einem Land akzeptiert.

Kommt es tatsächlich zu einer Einigung, wäre das ein krasser Gegensatz zu den letzten politischen Bemühungen (kürzlich äußerste sich der türkische EU-Minister süffisant über die finanzielle Lage – mehr hier). Koutsokoumnis jedenfalls ist überzeugt: Beide Seiten würden von einer Wiedervereinigung im Fußball profitieren.

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