Großangelegte Razzia: Türkische Polizei geht massiv gegen DHKP-C vor

Bei einer großangelegten Razzia in der Türkei hat die Polizei an diesem Freitag Dutzende Personen, darunter auch 15 Anwälte, verhaftet. Den Festgenommenen wird vorgeworfen, Verbindungen zu einer verbotenen marxistischen Gruppierung zu unterhalten.

Das Aufgebot der türkischen Polizei war gigantisch. Wie die britische BBC berichtet, seien in Istanbul, Ankara, Izmir und anderen Städten in den frühen Morgenstunden Polizeirazzien durchgeführt worden. Einige Einsätze in den insgesamt sieben Provinzen seien sogar durch Helikopter unterstützt worden (bei einer KCK-Operation wurden Ende 2011 30 Journalisten verhaftet – mehr hier).

Abgesehen hatten es die türkischen Beamten an diesem Freitag auf Mitglieder der DHKP-C, die Revolutionäre Volksbefreiungspartei-Front (türkisch: Devrimci Halk Kurtuluş Partisi-Cephesi). Eine Gruppe, die für eine Reihe von Anschlägen in der Türkei seit den 1970er Jahren verantwortlich gemacht und sowohl in der Türkei als auch in den USA und Europa als Terrororganisation betrachtet wird. Die DHKP-C stellt sich gegen die türkische Mitgliedschaft in der NATO und generell gegen das, was sie als „westlichen Imperialismus“ bezeichnen. Sie gilt als Nachfolgeorganisation der in der Bundesrepublik Deutschland seit 1983 verbotenen ‚Devrimci Sol‘. Sowohl die DHKP-C als auch die THKP/-C wurden vom Bundesministerium des Innern bereits im Jahr 1998 als Ersatzorganisation verboten. Das Ziel ist die Zerschlagung des bestehenden türkischen Staatssystems durch einen bewaffneten Volkskrieg und die Errichtung eines sozialistisches Systems.

Türkische Polizei nimmt mindestens 85 Personen fest

Mindestens 85 Personen, so heißt es bei der BBC weiter, seien bei den nun durchgeführten Razzien festgenommen worden. Unter ihnen sollen sich auch 15 Juristen befinden, die mehrheitlich für eine Kanzlei tätig seien, die sich auf Menschenrechte und Folter konzentriere. Neun von ihnen sollen, so berichtet die Hürriyet, ÇHD-Mitglieder sein, darunter auch Vorstandsmitglied Oya Aslan und Taylan Tanay, Chef der Niederlassung in Istanbul. Türkischen Medien zufolge, werde den Verhafteten vorgeworfen „Anweisungen weiterzuleiten“ und zwar vom inhaftierten Anführer der Gruppierung zu den so gennanten „Militanten“. Etwas anders betrachte die türkische Anwaltsvereinigung ÇHD die heutige Razzia. Sie beschuldige den Staat eines „totalen Angriffs gegen Menschen und Institutionen, die gegen das System sind und für Demokratie und Freiheit kämpfen“.

In der Vergangenheit attackierte die Gruppe vor allem das Militär und das politische Establishment. Dabei kamen auch dutzende Menschen ums Leben. Darunter zwei pensionierte Generäle, ein ehemaliger Justizminister und ein prominenter Geschäftsmann.

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