Chemiewaffen-Gefahr aus Syrien: Trainierte das FBI türkische Sicherheitskräfte?

Die bundespolizeiliche Ermittlungsbehörde des US-Justizministeriums (FBI) soll angeblich türkische Sicherheitskräfte für einen Angriff mit syrischen Chemiewaffen trainieren. Die Angst vor einem solchen Ernstfall ist riesengroß. Erst vor einigen Tagen kam eine geheime US-Depesche ans Licht, die einen solchen Einsatz bereits bestätigte.

Wie die türkische Zeitung Sabah erfahren haben will, sollen sechs FBI-Agenten sowie Experten auf dem Gebiet der Massenvernichtungswaffen 80 hochrangigen Mitgliedern der türkischen Polizei und des türkischen Militärs über die vergangenen Wochen Unterweisungen über die Gefahren von chemischen Waffen und deren Auswirkungen gegeben haben. Stattgefunden habe das Ganze demnach in der Sicherheitsdirektion der türkischen Streitkräfte, auf dem Stützpunkt Gölbaşı.

Bereits seit einigen Monaten wird das Unbehagen in der Region immer größer, dass der syrische Machthaber Bashar al-Assad von seinem immensen Chemiewaffenlager Gebrauch machen könnte (Präsident Abdullah Gül äußerte seine diesbezügliche Sorge bereits Mitte November 2012 – mehr hier). Nun hat das renommierte US-amerikanische Online-Magazin „Foreign Policy“ vor einigen Tagen auch noch einen Artikel veröffentlicht, der sich auf eine geheime diplomatische Depesche aus dem US-Konsulat in Istanbul stützt, in der Beweise enthalten sein sollen, dass bereits am 23. Dezember 2012 in Homs Giftgas zum Einsatz kam. Das Weiße Haus, so berichtet die türkische Zeitung weiter, räumte später in der Tat ein, dass man eine solche Meldung erhalten, aber nicht mit den Geheimdienstinformationen übereingestimmt habe. Dieser glaubt, dass die syrische Regierung eine breite Palette von chemischen Waffen, darunter Sarin, Tabun und Senfgas, bereit halte.

Sechs US-Geheimagenten reisen nach Ankara

Auf Grund der Annahme, dass genau diese chemischen Waffen nach einem Zusammenbruch des syrischen Regimes auch leicht in die Hände von Terroristen geräten könnte, habe die US-Regierung den türkischen Sicherheitskräften darauf hin ein entsprechendes Training zukommen lassen. Die Türkei habe das Angebot akzeptiert, worauf hin sechs Agenten nach Ankara gereist wären, um dort zwölf Tage lang Kurse abzuhalten. Kurz nach Ende der Trainingseinheiten hätten dann das türkische Außenministerium, das Innenministerium, das Verteidigungsministerium und das Gesundheitsministerium damit begonnen, einen speziellen Plan gegen eine solche Waffennutzung durch terroristische Organisationen zu formulieren.

Das Regime Assad, so informiert das Blatt weiter, könne die chemischen Waffen sowohl auf kurzen als auch auf langen Strecken einsetzen. So habe man die Kontrolle über so genannte SS-21 Raketen, die eine Reichweite von 110 Kilometern hätten. Bereits vor gut einem Monat wies der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu zudem darauf hin, dass Assad über 700 Scud-Raketen verfüge und die türkische Regierung deren Standorte kenne.

Während die USA, die Niederlande und Deutschland Patriot-Systeme und Soldaten in die Türkei verlegen, soll auch der türkische Geheimdienst MIT nicht untätig gewesen sein. Mit Hilfe von Wissenschaftler habe man Proben vom Boden, Bombenschutt und beschädigten Häusern genommen, um sie auf den Einsatz von chemischen Waffen hin zu untersuchen (der türkische Geheimdienst hätte derzeit keine Informationen über eine Nutzung – mehr hier).

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