Gekauft und dann weggeworfen: Gut 15.000 Tiere landeten 2012 in Istanbuler Tierheimen

Ihr Schicksal wiederholt sich scheinbar auf der ganzen Welt: Gut 15.000 Tiere landeten im Jahr 2012 in einem Istanbuler Tierheim. Die meisten von ihnen wurden zuvor in einer Tierhandlung gekauft, dann aber offenbar nicht mehr „gebraucht“. Darüber informierte die Veterinärabteilung der Istanbuler Stadtverwaltung.

Wie das Veterinäramt informiert, seien die meisten auf der Straße eingesammelten Hunde und Katzen zuvor in einer Tierhandlung gekauft worden.

Wie Nesrin Çıtrık, Vizepräsidentin der türkischen Federation von Tierschutzvereinen (HAYTAP), erläuterte, sei es Inhabern von Zoohandlungen zwar verboten, Tiere an Personen unter 16 Jahren zu verkaufen, auch besitzen dürfe so junge Menschen diese nicht, doch dieses Gesetz würde in der Realität fast immer ignoriert. Die Folge: Die Zahl der ausgesetzten Tiere steige, da die Jugendlichen sind meist nicht in der Lage seien die Verantwortung für das Halten eines Haustieres zu übernehmen (im vergangenen Jahr wurde in der Türkei die erste Tierschutzpartei gegründet – mehr hier).

„Oft kaufen die Leute ein Haustier als Geschenk für ihre Kinder und Freunde. Später wollen die meisten von ihnen diese wieder los werden, wenn sie von ihnen gelangweilt sind. Ganz so, als wären sie Spielzeuge“, klagt Çıtrık an. Als Paradebeispiel nennt sie hier reiche Türken, die im Sommer nach Alaçatı kämen und ihren Kindern dort ein Haustier kaufen würden. Sobald die Ferien dann vorbei sind, würden sie auch die Tiere zurücklassen. Doch nicht nur die Ferien sind prädestiniert, um später zu einem echten Desaster für die Tiere zu werden. Wie HAYTAP-Präsident Ahmet Kemal Şenpolat der türkischen Zeitung Zaman erklärte, würden die Leute die Tiere vor allem auch zu Neujahr oder zum Geburtstag in den Zoohandlungen erwerben.

Streunende Tiere: Istanbul stößt an seine Grenzen

Hülya Yalçın, Vorstand der Abteilung für Tierrechte der Istanbuler Anwaltskammer, appelliert deshalb eindringlich an alle (potentiellen) Tierbesitzer in der Türkei, an die damit verbundene Verantwortung zu denken – und zwar noch bevor man sich ein Tier überhaupt anschaffe. Darüber hinaus gibt sie zu bedenken: „Ein Tier ist oft das Erste, was weg kommt, wenn sich ein Paar trennt, Leute beschließen umzuziehen oder sobald ein Paar ein Baby bekommt.“ (gegen einen Tierquäler stemmte sich kürzlich ein gesamter Istanbuler Bezirk – mehr hier)

Derzeit gibt es allein in Istanbul 28 Tierheime. Im vergangenen Dezember wurde bekannt, dass die Gemeinde die weltgrößten Tierheime in Pendik und Kilyos mit einer Gesamtkapazität von 20.000 Tieren errichten wolle. Allein in Istanbul gibt es derzeit rund 100.000 streunende Tiere. Diese zu bündeln und zu versorgen ist derzeit ein Ding der Unmöglichkeit. Stattdessen gibt es Stationen, an denen sie regelmäßig medizinisch versorgt und dann wieder in ihre gewohnte Umgebung verbracht werden. Aufgenommen werden hingegen Tiere, die allein nicht mehr überlebensfähig wären, krank oder aggressiv gegenüber Menschen sind.

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