Alle Hoffnungen zerschlagen: Erdoğan kommt nicht nach Davos

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat Rufe, in diesem Jahr wieder am Weltwirtschaftsforum in Davos teilzunehmen, nicht erhört. Stattdessen wird die Türkei durch den stellvertretenden Ministerpräsident Ali Babacan und Familienministerin Fatma Şahin vertreten. Zuletzt hatte sich Stephen Kinnock, Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien, persönlich darum bemüht, Erdoğan nach dem Eklat 2009 wieder in der Schweiz zu empfangen.

Wie das türkische Außenministerium bekannt gibt, werden der stellvertretende Premier Ali Babacan und Familienministerin Fatma Şahin dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos beiwohnen. Im Zuge der Sitzungen im Schweizer Nobelskiort werden Diplomaten, prominente Geschäftsleute und hochkarätige Staatsbeamte aus mehr als 100 Ländern erwartet, die sich hier intensiv mit den Themen Zusammenarbeit und tragfähige Lösungen für regionale und globale Probleme auseinandersetzen. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hatte dieser Zusammenkunft zuletzt im Jahr 2009 beigewohnt.

Persönlicher Appell von Stephen Kinnock

Im Juni vergangenen Jahres wagte Stephen Kinnock, Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien, noch zu hoffen, dass die Türkei künftig wieder von höchster Ebene auf dem jährlichen Weltwirtschaftsforum in Davos repräsentiert werde. Sein Appell, so die Interpretation der türkische Medien, richtete sich direkt an Recep Tayyip Erdoğan. “Die Fortsetzung unserer Beziehungen mit der Türkei sind von größter Bedeutung für uns. Es wäre schön, die Türkei wieder von höchster Ebene vertreten zu sehen”, zitierte ihn damals die türkische Nachrichtenagentur Anatolia. Der Direktor und Leiter des Weltwirtschaftsforums Europa und Zentralasien hatte sich anlässlich des Regionalgipfels des Weltwirtschaftsforums zum Nahosten, Nordafrika und Eurasien vom 4. bis 6. Juni 2012 in Istanbul aufgehalten.

Zur Erinnerung: Nach einem Streit mit dem israelischen Präsidenten Shimon Peres erklärte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan 2009, dass das Weltwirtschaftsforum in Davos für ihn ein für allemal erledigt sei. Während einer Podiumsveranstaltung über den Gazastreifen, an der auch Uno-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der Generalsekretär der arabischen Liga, Amr Mussa teilnahmen, gerieten die beiden Männer aneinander. Erdoğan warf Peres vor, dass Israel im Gazastreifen Mord begangen hätte (kürzlich hielt sich eine Delegation in Gaza auf, um Verbrechen der Israelis zu dokumentieren – mehr hier).

Wutentbrannt verließ der türkische Premier nach der Veranstaltung den Saal. Später erklärte Erdoğan, sein Hinausstürmen sei eine Reaktion auf die Modeartion des “Washington Post” Kolumnisten David Ignatius, gewesen. Er hätte von diesem zu wenig Gesprächszeit bekommen: “Ich zielte überhaupt nicht in irgendeiner Weise auf Israel, das israelische Volk oder den israelischen Präsidenten Peres.”

2010 nahm die Türkei darauf hin nicht am Weltwirtschaftsforum in Davos teil. Im Jahr darauf wurde das Land von Staatsminister Ali Babacan repräsentiert. Auch vom 25. bis 29. Januar 2012 war er anwesend. Mit ihm erstmals auf diesem Parkett befand sich die türkische Familienministerin Şahin (sie war die erste Politikerin aus der Türkei beim Weltwirtschaftsforum – mehr hier).

Bis zum kommenden Sonntag steht der Skiort Davos bereits zum 43. Mal ganz im Zeichen von Staats- und Regierungschefs, Unternehmern und Wissenschaftlern.

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