NATO-Mission in der Türkei: Darum sind Muslime dagegen

Die Patriot-Luftabwehrsysteme der Bundeswehr sind in der Türkei eingetroffen. Sie sollen dem Schutz der Zivilbevölkerung dienen. Doch Teile der türkischen Bevölkerung sehen das anders. Statt Freude kommt Wut und Protest bei ihnen auf. Zuletzt entlud sich dieser gegen eine Gruppe von Bundeswehrsoldaten.

Die islamisch-konservative türkische „Partei der Glückseligkeit“, Saadet Partisi (SP) hat in der Stadt Kahramanmaraş eine Demonstration gegen die Stationierung von NATO-Soldaten und Patriot-Raketen organisiert (mehr zu weiteren Protesten gegen die NATO-Stationierung – hier). Die Ankunft von 400 deutschen Soldaten lassen alte Erinnerungen bei den Türken wach werden, so das Nachrichtenmagazin The National, die ihren Hauptsitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten hat.

Schlechte Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg

Dem Ortsverbandsvorsitzenden der SP, Mustafa Tüten zufolge, seien die Deutschen Schuld an der türkischen Niederlage im Ersten Weltkrieg. Im anschließenden türkischen Befreiungskrieg habe man in Kahramanmaraş die französischen Besatzer aus dem Land gejagt. „Wenn sich die deutschen Soldaten nicht benehmen und sich hier mit ihren Waffen aufspielen, dann werden wir auch sie aus dem Land jagen“, so Tütün.

Weiterhin breite sich in der Stadt ein Gefühl der Bedrohung unter den Einheimischen aus. So bemerkt ein Ladenbesitzer, dass die Stationierung für Unsicherheit unter den Menschen sorge. Denn dies könne nur bedeuten, dass man als Stadt im Visier von Raketenangriffen stehe (die Befürchtungen sind offenbar nicht unbegründet – mehr hier). Ein weiterer Händler bemerkt, dass er nichts gegen die Deutschen habe, so lange sie sich von den türkischen Frauen fern hielten.

„Stationierung dient israelischen Interessen“

Die örtlichen türkischen Behörden seien bestrebt, die NATO-Soldaten möglichst aus dem Blickfeld der Einheimischen zu bringen. Hierzu stelle man derzeit verschiedene Überlegungen an, so The National weiter. Währenddessen hat sich auch die Jugendorganisation der SP zu Wort gemeldet. Einer ihrer Wortführer an der Sütçü İmam Universität in Kahramanmaraş, Akif Çullu, wisse den eigentlichen Grund für die Stationierung der Patriot-Raketen. Nicht die Türkei wolle man schützen, sondern Israel, so die türkische Hürriyet. Die SP zusammen mit den linken Kräften und den Kemalisten gehören in der Türkei zu den schärfsten Kritikern der NATO und der Regierungspartei AKP.

Mehr zum Thema:

Termingerecht: Niederländische und deutsche Patriots in der Türkei eingetroffen
 Patriot-Einsatz: Türkei: erwartet 2000 ausländische Soldaten
 Patriot-Raketen in der Türkei: Bundeskabinett sagt Ja

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.