Human Rights Watch: Syrische Rebellen müssen religiöse Stätten schützen

Syrische Rebellen sollen im November und Dezember 2012 religiöse Stätten von Minderheiten im Norden des Landes absichtlich zerstört und die Plünderung dieser zugelassen haben. Das meldet Human Rights Watch an diesem Mittwoch. Die US-Menschenrechtler warfen der syrischen Opposition vor, solche Taten nicht genügend zu ahnden.

„Die Zerstörung religiöser Stätten schürt sektiererische Ängste“, warnt Sarah Leah Whitson, die für Nahost zuständige Mitarbeiterin von Human Rights Watch. Wenn bewaffnete Gruppen Kultstätten nicht respektierten, würde Syrien seine reiche kulturelle und religiöse Vielfalt verlieren. Führungspersonen auf beiden Seiten sollten denjenigen, die so etwas tun, eine eindeutige Botschaft zukommen lassen, nämlich, dass sie zur Verantwortung gezogen würden (derweil üben sich syrische Flüchtlinge in der Türkei in Demokratie – mehr hier).

Schiitische Husseinija vorsätzlich zerstört

In Zarzour in der nördlichen Provinz Idlib, so schreibt die türkische Zeitung Hürriyet, hätte man Beweise dafür gefunden, dass die hiesige schiitische Husseinija – eine dem Märtyrer Hussein gewidmete Gedenkstätte – vorsätzlich von Rebellen beschädigt worden sei, nachdem die Rebellen diese unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Die Fenster des Gebäudes seien zerstört worden, Gebetssteine auf dem Boden verstreut und die Wände von Feuer verkohlt gewesen. Zudem hätte man die Überreste eines verbrannten Gebetsteppichs gefunden. Am 12. Dezember sei schließlich ein YouTube-Video aufgetaucht, das Rebellen bei einer Siegesfeier zeige, so das Blatt weiter. Im Hintergrund die brennende Husseiniya. Anwohner hätten angegeben, dass die Anhänger von Machthaber Bashar al-Assad die Räumlichkeiten zuvor als Barracken genutzt hätten. Während sich die Armee jedoch auf Beschwerden der Gemeindemitglieder hin zurückzogen hatte, sei ein Scharfschütze auf dem Dach geblieben. Dort sei er auch gewesen als die Rebellen eingetrafen (bisher kostete der Konflikt mehr als 60.000 Menschenleben – mehr hier).

Einbruch in zwei Kirchen

Human Rights Watch verurteilte die Nutzung der Husseiniya durch die Truppen Assads, eine Zerstörung durch die Rebellen rechtfertige das allerdings nicht. Ähnliches berichten Anwohner auch aus den Dörfern Ghasaniyeh und Jdeideh in Latakia. Ein bewaffneter Mann sei dort in zwei Kirchen eingebrochen und habe sie geplündert, nachdem die Rebellen die Kontrolle übernommen hatten. Gleichzeitig hätten die Anwohner jedoch betont, dass es sich dabei um einen Einzelfall handelte und man sonst ein gutes Verhältnis zu den Kämpfern hätte. Auch diese stellten klar, nichts mit dem Angriff zu tun zu haben.

Hinnehmbar ist das für die US-Menschenrechtsorganisation dennoch nicht. Während Plünderungen vor allem finanziell motiviert seien, müssten die Rebellen äußerst wachsam sein, wenn es um die Bewahrung von Kultstätten von Minderheiten in Gebieten, die unter ihrer Kontrolle lägen, gehe. Nur so könnte Ängste vor sektiererischen Vergeltungsmaßnahmen abgeschwächt werden.

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