Schon jetzt die höchsten Spritpreise in Europa: Türken müssen immer tiefer in die Tasche greifen

Die türkische Regierung hat den wenig beneidenswerten Status der Türkei in puncto Spritpreise nun noch einmal manifestiert. Schon jetzt beherbergt das Land die teuersten Zapfsäulen in ganz Europa. Am vergangenen Donnerstag stiegen die Anzeigen noch einmal um zehn Kuruş, umgerechnet etwa sechs Cent, an.

Die Entscheidung, den durchschnittlichen Spritpreis für Benzin landesweit anzuheben, beschert den Türken nun einen Betrag von 4.76 Lira, 2.02 Euro, pro Liter. In Istanbul ist die Belastung sogar noch höher. Hier zahlen Autofahrer 4.83, umgerechnet 2.05 Euro, für einen Liter Kraftstoff (ein Wert, der schon einmal im Oktober vergangenen Jahres erreicht wurde – mehr hier). Das berichtet die türkiche Zeitung Zaman.

Die jüngte Erhöhung setze die türkischen Verbraucher, die bereits mehrere Preiserhöhungen, nicht nur beim Benzin, sondern auch bei anderen Gütern des täglichen Bedarfs sowie Erdgas und Strom, hinter sich gebracht hätten, nun zusätzlich unter Druck (zum Jahresbeginn gab es gleich zahlreiche Steuererhöhungen – mehr hier). Mit dem jetzigen Anstieg der ohnehin schon historisch hohen Spritpreise lässt die Türkei mittlerweile sogar Norwegen hinter sich. Dort lag der Literpreis nach Angaben des Blattes am vergangenen Donnerstag bei durchschnittlich 1.972 Euro. Ganze sechs Cent weniger als in Istanbul.

Fallende Ölpreise dämpfen Auswirkungen für Verbraucher

Doch es hätte durchaus noch schlimmer kommen können. Den fallenden Ölpreisen ist es derzeit zu verdanken, dass die Auswirkungen für die türkischen Verbraucher nicht noch dramatischer Ausfallen. Erst im vergangenen Oktober wurde der Europarekord mit  4.83 Lira, 2.08 Euro pro Liter Benzin aufgestellt. Nichts desto trotz legte die türkische Regierung mit weiteren Steuererhöhungen nach. Binnen zwei Wochen, so das Medium weiter, sei der Benzinpreis um sagenhafte 35 Kuruş nach oben geklettert. Diese Maßnahmen, zusammen mit dem jüngsten Anstieg am vergangenen Donnerstag und diversen weiteren Runden des vergangenen Jahres, haben den Anteil der Steuern an den Treibstoffpreise auf knapp über 60 Prozent katapultiert.

Auf den ersten Blick scheint die Maßnahme der Regierung, die derzeit vor allem die Fertigungs-und Transport-Wirtschaft vorantreiben will, paradox. Für Ercan Uygur, Wirtschaftsprofessor an der Universität Ankara, sind sie jedoch durchaus plausibel. Er macht für die Entscheidung Ankaras die derzeit immer noch hohen Energieimporte der Türkei, die wesentlich zum Handelsdefizit des Landes beitragen, verantwortlich und bezeichnet das Ganze als „unerwünschte sieht, aber leider notwendige Maßnahmen“.

Gut 98 Prozent seines Kraftstoffes aus dem Ausland

In der Tat importiert die Türkei derzeit gut 98 Prozent seines Kraftstoffes aus dem Ausland. Den Schätzungen der Regierung zufolge werde man für Gas und Öl aus Russland, Iran, Irak und anderen Ländern in der Region im Jahr 2013 ganze 60 Milliarden Dollar ausgeben. Ankaras viel größeres Problem ist jedoch das bestehende Haushaltsdefizit, was durch schnelle Steuererhöhungen auf Verbrauchsmaterialien gestopft werden soll. Doch in einem Land, so urteilt die Zaman, in dem Steuerhinterziehungen eine weit verbreitete Praxi seien, wäre das ein fruchtloses Unterfangen.

Bereits im Jahr 2011 schätzte der stellvertretende Premier Ali Babacan, dass jeder Zehn-Dollar-Anstieg pro Barrel Öl die jährliche Inflationsrate der Türkei um 0,5 Prozentpunkte erhöhen würde. Obwohl die Inflation seit Mitte 2012 auf Grund eines Rekordtiefs bei den Nahrungsmittelpreisen niedrig blieb, so auch Uygur, könnten steigende Transportkosten nun für eine zweite Runde inflationärer Effekte sorgen. Und diese belasten zweifellos den Verbraucher. Am vergangenen Donnerstag Donnerstag waren durchschnittlich 2,02 Euro  pro Liter fällig. Das bedeutet, dass nur vier Liter Benzin fast die Hälfte des durchschnittlichen täglichen Gehalts von nicht einmal 17 Euro auffressen.

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