Holocaust-Gedenktag: Integrationsministerin Öney will Migranten sensibilisieren

Am kommenden Sonntag, den 27. Januar, wird der Befreiung der Gefangenen des KZs in Auschwitz im Jahr 1945 gedacht. Nach Ansicht von Bilkay Öney, Ministerin für Integration, gelte es, auch „Migranten für das dunkelste Kapitel unserer Geschichte zu sensibilisieren“. Denn: Gerade Jugendliche mit Diskriminierungserfahrungen bietet Antisemitismus einfache Erklärungen.

Im Jahr 2011 wurde in der Türkei erstmals offiziell den Opfern des Holocausts gedacht. Doch was dort erst seit kurzem stärker ins öffentliche Bewusstsein rückt, bedarf auch in Deutschland nachhaltiger Anstrengungen gegen das Vergessen (einen ersten offiziellen Akt gab es im Januar 2011 in der Istanbuler Neve-Schalom-Synagoge – mehr hier). „Da aber Migranten den Holocaust häufig aus einer anderen Perspektive betrachten als Deutsche, muss die Aufklärungsarbeit über Judenfeindlichkeit diesen Umstand stärker berücksichtigen“, ist Integrationsministerin Bilkay Öney überzeugt. Antisemitismus sei kein Randphänomen, sondern nach Einschätzung von Experten bis in die Mitte der Gesellschaft hinein verankert.

Weg von einem Opferkonkurrenz-Denken

Deshalb, darauf macht das Ministerium für Integration Baden-Württemberg an diesem Freitag aufmerksam, werbe Öney für eine verstärkte Präventionsarbeit, auch innerhalb von Migranten-Communities. „Wir müssen weg von einem Opferkonkurrenz-Denken, hin zu Bündnissen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“, so das Appell in einer den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegenden Mitteilung. Diese, so fährt sie fort, müssten breit in der Bürgergesellschaft aufgestellt sein und möglichst viele Gruppen, Vereine, Schulen und Glaubensrichtungen einbeziehen. Lob fand Ministerin in diesem Zusammenhang schon jetzt für die vielen kommunalen Initiativen, die sich gegen Diskriminierung und Rassismus wenden.

Antisemitismus: Ein Problem des Bildungsniveaus

Dass das Problem jedoch nicht von heute auf morgen aus der Welt geschafft sein dürfte, ist klar. Auch das Ministerium verweist hier auf Studien, die besagen, dass es noch immer bei einm Fünftel der Bevölkerung einen latenten Antisemitismus gibt. Hierzu zitiert es einen Bericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2011. Darin heißt es: „Die judenfeindlichen Einstellungen basierten auf weitverbreiteten Vorurteilen, tiefverwurzelten Klischees oder auf schlichtem Unwissen über Juden und Judentum.“ Antisemitismus unter Migrantinnen und Migranten, so heißt es weiter, sei in erster Linie ein Problem des Bildungsniveaus und der Milieuzugehörigkeit. Gerade für Jugendliche, die eigene Diskriminierungserfahrungen kompensieren wollten, biete Antisemitismus demnach einfache Erklärungen für komplexe wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Sachverhalte.

Begegnen will man dem hierzulande etwa mit dem vom Ministerium für Integration geförderten Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Dem Netzwerk gehören, so das Ministerium bundesweit über 1.000 Schulen an. Weiterhin aktiv sei man mit „Instant Acts – gegen Gewalt und Rassismus“. Gemeinsam mit internationalen Künstlern wird hier eine Bühnenshow mit Akrobatik, Tanz und Life-Musik zum Thema Gewalt und Rassismus auf die Beine gestellt. Das Ziel: Die Kids erlernen so den Umgang mit kultureller, ethnischer und religiöser Vielfalt.

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