Türkei gedenkt dem Holocaust: Unter Opfern waren auch Türken

Zum dritten Mal wird an diesem Sonntag auch in der Türkei der Befreiung der Gefangenen des KZs in Auschwitz gedacht. In einer offiziellen Erklärung bezeichnet das Land diesen Tag als eine Gelegenheit, sich an die jüdische Bevölkerung und andere Minderheiten zu erinnern, die ihr Leben während des NS-Regimes verloren haben. Der Holocaust forderte einst auch türkische Opfer.

Das KZ Auschwitz nach der Befreiung. Den Ereignissen vom 27. Januar 1945 wird seit 2011 auch offiziell in der Türkei gedacht. (Foto: Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA)

Das KZ Auschwitz nach der Befreiung. Den Ereignissen vom 27. Januar 1945 wird seit 2011 auch offiziell in der Türkei gedacht. (Foto: Bundesarchiv, B 285 Bild-04413 / Stanislaw Mucha / CC-BY-SA)

Bereits seit 1996 wird in der Bundesrepublik der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau, dem größten Vernichtungslager des Nazi-Regimes, durch die Rote Armee dem 27. Januar 1945 gedacht. 2005 wurde dieser Tag von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt. Seit 2011 wird dieser nun auch in der Türkei begangen (mehr hier). Auch an diesem Sonntag, 68 Jahre nach den dramatischen Ereignissen, erinnert sich die Türkei an die Opfer des Holocaust mit großem Respekt. Das türkische Außenministerium hat hierzu eigens eine Erklärung veröffentlicht.

Bewusstsein bei künftigen Generationen schärfen

Die Türkei, so die türkische Zeitung Zaman, beteilige sich demnach an der Stiftung Auschwitz-Birkenau, die Anfang 2009 auf Initiative des polnischen Staatssekretärs und Auschwitz-Überlebenden Wladyslaw Bartoszewski in Warschau für die Instandhaltung der Gedenkstätte und gegen das Vergessen eingerichtet wurde. Engagiert sind hier, neben Deutschland, auch andere europäische Staaten sowie die USA.

In ihrer aktuellen Erklärung stellt die Türkei die Bedeutung der Erinnerung an die Opfer des Holocaust vor allem mit Blick auf die die zukünftigen Generationen heraus. Nur so könne ein Bewusstsein für diese Verbrechen geschärft werden.

Türkische Diplomaten retten Juden das Leben

Der Holocaust, so das Blatt weiter, forderte auch türkische Opfer. Seit Anfang Dezember 2012 erinnert eine neue Tafel in der Gedenkstätte Bergen-Belsen an das Schicksal der türkischen Holocaust-Opfer. Die meisten der Häftlinge dort waren Juden, aber auch zwei Muslime waren darunter. Nach Bergen-Belsen deportiert wurden die meisten türkischen Staatsbürger als so genannte Austauschhäftlinge. Insgesamt waren mehr als 3000 türkische Holocaust-Opfer in Bergen-Belsen gefangen. Daneben erinnerte das türkische Außenministerium auch an die türkischen Diplomaten, die während des Zweiten Weltkriegs viele Leben gerettet hätten, indem sie ausländischen Juden Visen erteilten. Und schließt: „Der Holocaust erinnert uns an die Bedeutung, die richtigen Lehren über die Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus zu ziehen.“

Derzeit leben in der Türkei rund 26.000 Menschen jüdischen Glaubens. Vor 1948 waren es noch gut 120.000. Heute genießen die in der Türkei lebenden Juden Minderheitenrechte, die im Vertrag von Lausanne am 24. Juli 1923 definiert wurden.

Bereits am vergangenen Freitag erinnerte Bilkay Öney, Ministerin für Integration, daran, dass es in diesen Tagen auch gelte, „Migranten für das dunkelste Kapitel unserer Geschichte zu sensibilisieren“. Denn: Gerade Jugendliche mit Diskriminierungserfahrungen bietet Antisemitismus einfache Erklärungen. „Da aber Migranten den Holocaust häufig aus einer anderen Perspektive betrachten als Deutsche, muss die Aufklärungsarbeit über Judenfeindlichkeit diesen Umstand stärker berücksichtigen“, ist Integrationsministerin Bilkay Öney überzeugt (mehr hier).

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