Pinar Selek: „Ich werde darum kämpfen, in mein Land zurück zu kehren“

Die türkische Soziologin Pinar Selek will sich nach dem jüngsten Urteilsspruch in der Türkei offenbar nicht dauerhaft in Frankreich niederlassen. Dort lebt und arbeitet die Menschenrechtsaktivistin, die in der vergangenen Woche nach drei Freisprüchen nun doch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde, seit 2011.

„Obwohl ich veurteilt wurde, werde ich darum kämpfen, in mein Land zurück zu kehren. Selbst wenn mir dort Gefängnis droht“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet die türkische Menschenrechtsaktivistin Pinar Selek. Diese hatte, mehreren Medienberichten zufolge, nach der Urteilsverkündung am vergangenen Donnerstag (mehr hier) in einer Pressekonferenz in Straßburg in Erwägung gezogen, Frankreich um Asyl zu bitten.

Selek, die gerade an ihrer Doktorarbeit über Emanzipationsbewegungen in der Türkei schreibt, wurde am 24. Januar von einem Istanbuler Gericht wegen Beteiligung an einem Bombenanschlag, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Zuvor hatten sich unter anderem Cem Özdemir und Claudia Roth für sie eingesetzt (mehr hier). Gut 15 Jahre steht die Soziologin nun schon im Fokus der türkischen Justiz und wird wegen vermeintlicher Unterstützung terroristischer Aktivitäten im kurdischen Milieu verfolgt. Nach drei Freisprüchen sorgte der Urteilsspruch des Obersten Gerichtshofs in Ankara in der vergangenen Woche für internationales Entsetzen.

Urteil von Ankara versperrt Weg in die Heimat

Vor dem Journalisten stellte die 41-Jährige nun heraus, dass sich in Sachen Meinungsfreiheit in der Türkei bereits einiges getan habe, vor dem Land aber nach wie vor ein weiter Weg liegen würde. „Mein Verbrechen war zu sagen: ‘Lasst uns über diese Themen reden’. Jetzt gibt es Veränderungen in dieser Hinsicht, aber es ist noch viel mehr zu tun.“ Ihr sei auch bewusst gewesen, dass gerade ihr Fall große Aufmerksamkeit im Ausland auf sich gezogen hat. Ihre Absicht sei das allerdings nicht gewesen. „Ich wollte nicht zu einem Symbol werden. Doch ich werde bis zum Ende kämpfen.“

Seit 2009 lebt Pinar Selek im Exil, zunächst in Berlin, seit 2011 in Straßburg. Auf Grund des französich-türkischen Abkommens muss sie nach dem aktuellen Urteilsspruch nun allerdings fürchten, an die Türkei ausgeliefert zu werden.

Mehr zum Thema:

Pınar Selek: Lebenslang für angeblichen Bombenanschlag
Solidarität mit türkischer Menschenrechtlerin Pinar Selek
Claudia Roth & Cem Özdemir: „Pinar Selek braucht endgültig Klarheit und Freiheit“

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.