Kein Geld mehr: Griechen bitten nun sogar den Erbfeind Türkei um Hilfe

Not in Griechenland. Sie sind wütend auf die EU und Athen. Hilfe erhoffen sich griechische Kommunen nun ausgerechnet von der Türkei. Der Bürgermeister der türkischen Stadt Tekirdag berichtet, dass ihn griechische Behörden um direkte Investitionen gebeten haben sollen.

Die wirtschaftliche und politische Lage in Griechenland ist weiterhin instabil. Der Unmut der griechischen Bevölkerung enlädt sich regelmäßig auf Kundgebungen. Dabei dient die EU und oftmals auch Deutschland als Zielscheibe. Das Auswärtige Amt berichtet, dass Deutschland eine „Mitverantwortung für die griechische Schuldenmisere angelastet (hohe Überschüsse im bilateralen Handel)“ werde. Der EU hingegen werfe man eine zu langsame Billigung von Finanzhilfen unter zu harten Auflagen vor. Insgesamt fühlen sich die Griechen bevormundet und in ihrem stolz gebrochen.

In dieser scheinbar ausweglosen Situation berichtet der Bürgermeister der ostthrakischen, türkischen Stadt Tekirdağ, Adem Dalgıç, dass ihn Vertreter griechischer Kommunen, um finanzielle Hilfen und Investitionen gebeten haben sollen. Die Griechen seien interessiert an türkischen Produktionsstätten auf griechischem Boden. Den Mitgliedern der Industrie-und Handelskammer von Tekirdağ sei von der Stadt Thessaloniki ein großartiges Angebot unterbreitet worden. Demnach sollen bei Gründung einer Produktionsstätte keinerlei Unkosten für die Grundstücksnutzung entstehen. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Türken kaufen Yachthäfen auf

Zuvor hatte sich die türkische Ziraat Bank bereit erklärt, griechischen Landwirten Kredite in Höhe von 40 bis 50 Millionen Euro zu gewähren (mehr – hier). Auch die türkischen Unternehmensgruppen Doğuş Holding und Koç Holding ließen sich nicht zwei Mal bitten, als es um die Pacht von griechischen Yachthäfen ging. Im März 2012 pachtete die Koc Holding zusammen mit einer griechischen Firma den Yachthafen von Mytilini auf der Insel Lesbos für insgesamt 40 Jahre. Im Dezember 2012 hat die Doğuş Holding 50 Prozent des Athener Floivos Yachthafens und 51 Prozent der Yachthafenkette Medmarinas S.A erworben, so die türkische Tageszeitung Milliyet. Darüber hinaus wolle man Investitionen im griechischen Immobilienmarkt vornehmen, so der Vorsitzende der Doğuş Holding, Ferit Şahenk.

Kooperation im Tourismus

Im Oktober 2012 fand ein Zusammentreffen zwischen einer griechischen und einer türkischen Delegation in Athen statt. Den Berichten der Milliyet zufolge, setzte sich die griechische Ministerin für Tourismus, Olga Kefalogianni für eine weitreichende wirtschaftliche Kooperation zwischen ihrer Heimat und der Türkei ein.  So könne man gemeinsame Projekte durchführen und die Tourismusbranchen beider Länder als Gesamtpaket vermarkten. Durch diese Strategie hätte man die Möglichkeit bis zu eine Million Touristen in beide Länder zu ziehen. Man wolle sich auch für die Visafreiheit von türkischen Staatsbürger innerhalb der EU einsetzen (mehr – hier). Der Vorsitzende der griechischen Industrie- und Handelskammer, Constantine Michalos sagte, dass die griechische Regierung sehr zögerlich mit den Privatisierungen voran schreite. Wichtig sei der türkischen Delegation auch mitzuteilen, dass nicht nur gegenseitiger Handel wichtig sei, sondern auch Investitionen. Offenbar sind den Griechen türkische Investitionen sehr wichtig.

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