Syrien: Alawiten haben Angst vor Rache durch radikale Islamisten

Der Krieg in Syrien nimmt konfessionelle Züge an. Die alawitische Minderheit des Landes ist in Todesangst. Denn sollte das Assad-Regime fallen, dann erwartet sie das Schlimmste. UN-Vertreter warnen schon heute vor einem Genozid.

Die Alawiten machen etwa 13 Prozent der Gesamtbevölkerung Syriens aus. Sie besetzen wichtige Positionen im syrischen Staat und gelten in den Augen der mehrheitlich islamistischen Rebellen als Träger des Assad-Regimes. Baschar al-Assad ist selbst Alawite. Die Angehörigen dieser weltlichen Strömung innerhalb des Islams werden insbesondere von Islamisten und Ländern wie Saudi Arabien und Katar als Ketzer und unislamisch angesehen.

„Christen nach Beirut, Alawiten in den Sarg“

Sie sind derzeit besorgt um ihre physische Existenz und das nicht ohne Grund. Radikale Teile der syrischen Opposition skandierten schon seit Jahren mit dem berühmten Slogan: „Al-Alawi a la taboot, wa al-Masihi a la Beirut“ („Christen nach Beirut, Alawiten in den Sarg“ ). Den Worten folgten Taten. Im Dezember 2012 überfielen bewaffnete Oppositionelle ein alawitisches Dorf in der Nähe der Islamistenhochburg Hama. 125 Menschen wurden getötet. Der Vorsitzende der regierungskritischen syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman bezeichnete den Vorfall als „größte Racheaktion der Rebellen gegen alawitische Zivilisten“ (mehr – hier).

Das Hula-Massaker

Aber auch zuvor hatte es im Mai 2012 in der Stadt Hula ein Massaker an 100 Angehörigen der alawitischen Minderheit gegeben. Jenes Massaker versuchte die internationale Gemeinschaft dem Assad-Regime zuzuschreiben. Doch Untersuchungen der englischen Zeitung The Guardian ergaben, dass beim Hula Massaker ausschließlich Alawiten durch syrische Rebellen ermordet wurden. Ausschlaggebend seien die Berichte der Überlebenden gewesen, so The Guardian. Den Informationen des Nachrichtenportals Al-Monitor zufolge, sei es für Alawiten nicht möglich in den von den Rebellen besetzten Gebieten zu leben. Deshalb fliehen sie in die Küstenstädte Tartus und Lathakia. Als Beispiel sei hier der Vorort von Damaskus, Hajar al-Aswad zu nehmen. Hajar al-Aswad wurde im Dezember 2012 von der Freien Syrischen Armee erobert. Seitdem seien dort an allen Geschäften Plakate zu sehen, die sich speziell gegen die Alawiten richten. Zu lesen seien Aufschriften wie „Freiheit oder wir verbrennen die Alawiten“.

UN befürchtet weitere Massaker

Weitere Massaker oder großangelegte Mordaktionen gegen die Alawiten halten auch Vertreter der UN  für wahrscheinlich. Der UN Sonderberater zur Prävention von Genozid, Adama Dieng ist den Berichten der israelischen Zeitung Haaretz zufolge, sehr besorgt darum, dass ganze syrische Gemeinschaften den Preis zahlen müssen für die Verbrechen des Assad-Regimes (mehr – hier). Die Gefahr für Alawiten und andere Gruppen steige von Tag zu Tag, da sie als regierungsnah eingestuft werden, so Dieng. Weiterhin berichten UN Menschenrechtsermittler aus Genf, dass der Syrien-Konflikt immer mehr zu einem konfessionellen Konflikt werde.

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