Trotz Finanzkrise: Athen bekommt endlich eine Moschee

Noch im vergangenen Oktober sah es so aus, als hätten muslimische Gläubige in der griechischen Hauptstadt das Nachsehen. Jetzt die Kehrtwende: Die seit längerem geplante Moschee in Athen wird nun offenbar doch gebaut - mit Unterstützung der Türkei.

Die gute Nachricht für muslimische Gläubige in Athen wurde vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan überbracht. Wie dieser mitteilt, habe das griechische Parlament nach langen Bemühungen kürzlich dem Bau einer Moschee zugestimmt. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Im Vorfeld hatte das Thema für reichlich Spannungen nicht nur innerhalb der griechischen Regierung gesorgt. Nicht nur einmal schlug ihr heftige Kritik wegen ihrer vermeintlichen Gleichgültigkeit gegenüber den Bedürfnissen der Muslime in Griechenland entgegen. Immerhin: Die griechische Hauptstadt ist die einzige europäische Hauptstadt, die nicht über eine Moschee verfügt, obwohl dort eine muslimische Bevölkerung von rund 700.000 Menschen in der Region zu Hause ist.

Während seines Besuchs in Katar teilte Erdoğan nun den Journalisten mit, dass sein griechischer Amtskollege ihn darüber informiert habe, dass das griechische Parlament den Bau einer Moschee genehmigt hätte. Weiterhin kündigte der Premier an, dass die Türkei den Bau finanzieren könne. Wie das Portal wordbulletin.com hierzu berichtet, habe er hierfür im Vorfeld jedoch eine Bedingung gestellt. Die griechische Regierung müsse den Bau des islamischen Gebetshauses tatsächlich genehmigen. „Ich erklärte ihm, dass die Türkei die Kosten für eine Moschee in Athen übernehmen könne, wenn die erforderlichen Genehmigungen erteilt würden. Und Herr Samaras teilte mir mit, dass das griechische Parlament einen solchen Plan genehmigt hätte.“

Noch im vergangenen Oktober sah es ganz so aus, als ob die muslimischen Gläubigen in Athen auch weiterhin das Nachsehen hätten. Damals erklärte Naim El-Ghandour im Rahmen eines Treffens in Athen, dass ihm der griechische Generalsekretär für religiöse Angelegenheiten mitgeteilt hätte, dass die griechische Regierung das Vorhaben eine Moschee im Zentrum von Athen zu bauen, auf Grund der sich zunehmend verschärfenden Finanzkrise auf unbestimmte Zeit auf Eis legen würde. Die türkische Botschaft in Athen hatte bereits damals ihre Unterstützung für die Errichtung der Moschee bekundet und zugesichert, ein Auge auf die aktuelle Debatte zu haben. „Der Bau einer Moschee in Athen ist eine Frage der Menschenrechte und der Freiheit der Religionsausübung“, unterstrich ein Diplomat (mehr hier).

Danach gefragt, ob eine solche gütliche Einigung auch im Fall des Seminars von Halki (Heybeliada-Istanbul) kommen könnte, gab sich der Premier offen. „Warum nicht, das ist möglich.“ Diese war bis zur Schließung durch den türkischen Staat 1971 die wichtigste christliche Theologische Hochschule des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel (mehr hier).

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