Top-Management: Mehr Frauen in der Türkei als in der EU

26 Prozent aller Führungskräfte in türkischen Spitzenunternehmen sind Frauen. Die EU kann davon nur träumen. Die türkischen Top-Managerinnen sind intelligent, erfolgreich und vor allem stolz. Doch es gibt auch Problemfelder: Die Gesamtbeschäftigung von türkischen Frauen sinkt.

Vor einigen Tagen ist die Chefin der Sabancı Holding, Güler Sabancı in den Aufsichtsrat von Siemens gewählt worden. Diese Nachricht ist weder den deutschen, noch den türkischen Medien entgangen. 2012 wurde sie vom Wirtschaftsmagazin Forbes zu den 100 einflussreichsten Frauen weltweit gewählt (mehr – hier). Sie ist auch Vorstandsmitglied des globalen Paktes der UN (mehr – hier). Die Erfolge dieser außergewöhnlichen türkischen Geschäftsfrau zogen die Blicke auf die türkischen Frauen in der Geschäftswelt. War sie ein Ausnahmetalent oder gab es noch mehr weibliche Beispiele?

Turkcell fördert aktiv Frauen

Die Deutsche Welle (DW) berichtet, dass es sich bei Sabancı um keinen Einzelfall handelt. So seien insgesamt 26 Prozent der Führungskräfte in türkischen Großunternehmen Frauen. Ein weiteres Beispiel sei Lale Saval Develioğlu. Sie ist Top-Managerin beim größten türkischen und drittgrößten europäischen Telekommunikationsunternehmen. „Die hohe Anzahl an weiblichen Führungskräften in türkischen Großunternehmen versetzt unsere Kollegen in Deutschland und der EU in Erstaunen. Doch wir sind stolz darauf “, so Develioğlu im Gespräch mit der DW. Natürlich stehe man als Frau vor größeren Herausforderungen in der Geschäftswelt. Doch die Förderung von geschlechtlicher Gleichberechtigung in Betrieben werde die Kluft zwischen den Geschlechtern mit der Zeit aufheben.

Alleine bei ihrem Unternehmen seien schon heute 35 Prozent aller Führungskräfte und 50 Prozent der gesamten Belegschaft Frauen. Turkcell lege in der Personalplanung einen besonders großen Wert auf Gleichberechtigung. „Wir haben einen speziellen Krankenversicherungsschutz für Mütter und ihre Kinder. Zudem gibt es beispielsweise eine finanzielle Unterstützung zur Unterbringung der Kinder in Kindergärten. Wir versuchen optimale Bedingungen für unsere weibliche Belegschaft zu schaffen“, so Develioğlu

Gesamtzahlen dämpfen Euphorie

Die Kennzahlen der Gesamtbeschäftigung in der Türkei zeichnen jedoch ein anderes Bild. Denn bei Berücksichtigung aller türkischen Unternehmen käme man auf einen weiblichen Führungskräfteanteil von nur 10 Prozent, so der türkische Manager Murat Yeşildere. Jener prozentuale Anteil wäre weitaus geringer, wenn man die türkischen Familienbetriebe nicht berücksichtigen würde. Denn in Familienbetrieben haben Frauen ein automatisches Mitspracherecht. Die Vorsitzende der türkischen Frauengemeinschaft, Sema Kendirci sagt, dass trotz eines Rückgangs der Arbeitslosigkeit in der Türkei, die frauenspezifische Arbeitslosigkeit gestiegen sei. Während vor zehn Jahren 35 Prozent aller Frauen beschäftigt gewesen seien, käme man heute auf schwache 25 Prozent.

Trotzdem zuversichtlich

Doch Develioğlu bleibt zuversichtlich. Man habe als Turkcell seit dem Jahr 2000 insgesamt 95.000 Schulstipendien an junge Mädchen vergeben. Derzeit laufen 10.000 Stipendien. Im Rahmen eines weiteren Projekts vergebe man Mikrokredite an weibliche Kleinunternehmer. Auch mit der Regierung und weiteren Wirtschaftsvertretern arbeite man derzeit an einem Projekt zur Förderung der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Man werde nicht aufgeben türkische Frauen zu fördern und zu fordern.

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