Schrumpfende Geburtenrate: Türkische Regierung entwirft Maßnahmenkatalog

Die türkische Regierung will eine Reihe von Maßnahmen zur Erhöhung der Geburtenrate im Land anschieben. Der Plan umfasst das Bereitstellen von Fertilisationsbehandlungen für Familien ohne Sozialversicherung. Daneben sollen auch Fördergelder fließen.

Mehr Kinder für die Türkei. Die Fehler von Europa will man hier nicht wiederholen. (Foto: M Glasgow/flickr)

Mehr Kinder für die Türkei. Die Fehler von Europa will man hier nicht wiederholen. (Foto: M Glasgow/flickr)

Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan ist weithin bekannt für seine Bestrebungen, seinen Landsleuten größere Familien mit mindestens drei Kindern schmackhaft zu machen (mehr hier). Jetzt soll er seine Minister, angeführt von Stellvertreter Ali Babacan, instruiert haben, intensiv daran zu arbeiten, die Wachstumsrate der türkischen Bevölkerung zu erhöhen und die Leute davon zu überzeugen, wieder mehr Nachwuchs zu bekommen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

„Der Premierminister hat mich beauftragt, die Bemühungen mit allen anderen betroffenen Ministerien anzuführen. Wir müssen einige sehr intelligente Maßnahmen umsetzen. Wir benötigen einen gut ausgearbeiteten Plan, der mögliche Auswirkungen auf das Haushaltssaldo berücksichtigt“, zitiert das Blatt Babacan. Zusammenarbeiten werde er demnach mit dem Familienministerium, dem für Arbeit sowie dem Ministerium für Entwicklung und Finanzen.

Türkische Bevölkerung auf 75.6 Millionen angewachsen

Babacan jüngste Äußerungen kommen nur Tage, nachdem Familienministerin Fatma Şahin ein Projekt zur künstlichen Befruchtung für 2500 kinderlose türkische Paare ohne nötigen Versicherungsschutz vorgestellt hat. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den Acıbadem Krankenhäusern durchgeführt. Hierzu prüft das Ministerium 2,5 Millionen Paare auf ihre Eignung. Schon zuvor proklammierte Şahin immer wieder, dass es die Aufgabe ihres Ministeriums sei, Familien mit geringem Einkommen dabei zu unterstützen Kinder zu bekommen.

Erst vor kurzem gab das Statistikinstitut der Türkei (TÜİK) bekannt, dass die türkische Bevölkerung im Jahr 2012 auf 75.6 Millionen angewachsen sei. Gleichzeitig hätte sich jedoch die Wachstumsrate von 0.13 Prozent in 2011 auf 0.12 Prozent im vergangenen Jahr verlangsamt (mehr hier). Bis zum Jahr 2035, so Babacan, werde die Bevölkerung auf 80-85 Millionen anwachsen. Danach beginne jedoch der Abstieg.

Weniger Kinder: Sind außereheliche Beziehungen schuld?

„Leider hat der türkische Staat in der Vergangenheit versucht, das Tempo der Bevölkerungszunahme zu verringern. Am Beispiel Europas sehen wir jetzt, dass das ein großer Fehler ist. Sie verteilen Geld an ihre Bürger, um die Bevölkerung zu erhöhen. Deshalb müssen wir nun diese Maßnahmen ergreifen“, so Babacan. Der hat übrigens so seine ganz eigene Theorie, warum die Türken immer weniger Kinder bekommen. Denn: Seiner Ansicht nach seien es die außerehelichen Beziehungen, die  ein Hindernis für die Bevölkerungszunahme darstellten.

Auch Entwicklungsminister Cevdet Yılmaz äußerte sich bereits zu den jüngsten Regierungsbestrebungen. Demnach werde man an Anreizen für Familien arbeiten, die mit Systemen in Europa mithalten könnten.

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