Türkei: „Made in Germany“ ist sehr beliebt

Die türkischen Konsumenten legen sehr viel Wert auf deutsche Produkte. Die Bevölkerung ist jung, dynamisch und konsumfreudig. Doch zahlreiche türkische Privathaushalte sind hochverschuldet.

Deutsche Produkte sind in der Türkei sehr beliebt. Insbesondere die deutsche Konsumgüterindustrie profitiert davon. Deutsche Einzelhandelsketten wie zum Beispiel Deichmann, Rossmann, Tchibo, C&A oder Media Markt erfreuen bei der jungen und konsumfreudigen türkischen Bevölkerung großer Beliebtheit. Auch die Kaufkraft ist im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs gestiegen. Dies hat sich insbesondere positiv auf die Einzelhandelskaufkraft der Türken ausgewirkt.

Einzelhandel im Aufschwung

Einem Bericht der internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte zufolge werden die durchschnittlichen Konsumausgaben beim Einzelhandel pro Person von jährlich 6.977 Dollar in 2010 auf 12.948 Dollar in 2014 steigen. In 2010 waren 67,2 Prozent aller Türken zwischen 15 bis 64 Jahre alt. Davon waren 39,4 Prozent in der konsumfreudigen Altersgruppe zwischen 20 bis 44 Jahre. Hinzu kommt, dass 75 Prozent der türkischen Bevölkerung in den Städten Istanbul, Ankara, Izmir, Adana, Gaziantep, Bursa, Kocaeli, Konya ve Mersin lebt und einen direkten Zugang zu Produkten der Einzelhandelsketten hat. Zwischen 1998 und 2008 sind die Verkäufe der Einzelhandelsketten um 27,4 Prozent gestiegen. Dieser Trend hält an (mehr – hier).

Ein weiterer Blick in den Deloitte-Bericht von 2011, zeigt uns die starke Positionierung deutscher Unternehmen. So sind Bauhaus und Praktiker neben Koctaş und Ikea führend im 26,5 Milliarden Dollar schweren Heimwerkermarkt. Im Elektronikhandel gehört Media Markt zu einen der aktivsten Unternehmen und. In 2010 betrug der Jahresumsatz aller Unternehmen dieser Branche 7,3 Milliarden Dollar. Es werde bis 2014 ein Wachstum von 52 Prozent erwartet. Der Lebensmittelhandel in 2010 hatte mit 96 Milliarden Dollar den größten Marktanteil am Einzelhandel. Hier ist der deutsche Handelskonzern Metro sehr stark vertreten und möchte zudem seinen Bestand an Abholgroßmärkten (Cash & Carry) erweitern.

Der türkische Handelsverband der Einkaufszentren und Einzelhändler (AMPD) ist sehr interessiert am Markteintritt deutscher und ausländischer Einzelhandelsketten. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2007 heißt es: „Wir konnten beobachten, dass die Gründung von Großmärkten sich positiv auf den Preisindex bei Produkten des Einzelhandels auswirkt. Dies sei auch im Interesse der niedrigen Einkommensschichten.“, so heißt es in dem Bericht.

Verschuldung könnte Konsum hemmen

Bei der ganzen Euphorie wird eine Gefahr übersehen. Niedrige Zinssätze haben viele Türken dazu bewegt hohe Kredite bei verschiedenen Banken aufzunehmen. Der Großteil jener Kredite floß in den Konsum und es kam zu einem rapiden Anstieg der Verschuldung der Privathaushalte (mehr – hier). Zudem werden abgelaufene Kredite mit wiederum neuen Krediten beglichen. „Das Durchschnittseinkommen türkischer Haushalte in den vergangenen neun Jahren ist um das Doppelte angestiegen und die Schulden um das Achtzehnfache. Noch haben die Zahlen nicht die europäischen Werte erreicht, aber die Türken sind auf dem besten Weg dorthin.“, meint .comdirect. in seinem Währungsbericht September 2012. Spätestens dann könnte es zu einem Konsumeinbruch kommen.

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