Raus aus der Tiefgarage: Muslime erhalten ehemalige Kirche als Moschee

Nach dem ersten öffentlichen Muezzinruf in Eschweiler Mitte Januar, hat nun eine weitere muslimische Gemeinde Grund zum Feiern. Im Hamburger Stadtteil Horn wird eine ehemalige evangelische Kirche nun zur Moschee. Für die Gläubigen ein Riesenschritt. Gut 20 Jahre lang hatten sie zuvor in einer Tiefgarage in St. Georg gebetet.

Für die muslimischen Gläubigen im Hamburger Stadtteil Horn ist es ein echter Aufstieg. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nach rund 20 Jahren in einer Tiefgarage hat jetzt das islamische Zentrum Al-Nour ein leer stehendes Kirchengebäude an der Sievekingsallee erworben. Das berichtet die Tageszeitung „taz“.

Bereits in drei Monaten, so heißt es weiter, solle mit der Renovierung der Innenräume begonnen werden. An der Fassade darf auf Grund der Denkmalschutzbestimmungen jedoch nichts verändert werden.

Bis zum Jahr 2005 wurde die ehemalige Kapernaumkirche in Horn für Gottesdienste genutzt. Als der Zustrom der evangelischen Gemeinde jedoch verebbte, wurde das Haus schließlich an einen privaten Investor verkauft. Pläne, dort eine Kindertagesstätte einzurichten, wurden dann allerdings nicht umgesetzt.

Beten in der Tiefgarage eines Bürogebäudes

Im vergangenen November schlug schließlich die Al-Nour-Gemeinde nach jahrelanger vergeblicher Suche zu, um den Gebeten tief unten in einem alten Bürogebäude endlich ein Ende zu bereiten. Für die Mitglieder der Gemeinde, so stellt der Vorsitzende des Al-Nour-Vereins, Daniel Abdin, im Gespräch mit der Zeitung heraus, sei der Kauf ein immenser Schritt gewesen. Immerhin bedeute er den Gang „raus aus den Hinterhöfen und den Garagen“. Umgekehrt wurden bereits im vergangenen Jahr Rufe aus den USA gen Türkei laut, Kirchen ihren rechtmäßigen Besitzern zurück zu geben (mehr hier).

Vollständig gelöst ist das Problem mit dem Kauf allerdings nicht. Nur 300 der insgesamt 600 Gemeindemitglieder finden in den neuen Räumlichkeiten Platz. Nach Angaben von Abdin sei deshalb zunächst angedacht, dass die alten Gebetsräume parallel weiter genutzt und sich die übrigen Gläubigen später auf umliegende Moscheen verteilen würden.

Muslimische Gemeinde öffnet ihre Türen für alle

In Horn will man nun mit offenen Armen auf die neuen Nachbarn zugehen. Schon jetzt kündigte Abdin im Gespräch mit der Reporterin Kristiana Ludwig an, dass eine Informationsveranstaltung organisiert werden solle. Das Ziel: Die künftige Moschee solle kein Ort werden, der nur für Muslime, „sondern für alle“ wäre. Ein genauer Termin steht allerdings noch nicht fest.

Ähnlichen Grund zur Freude hatten Mitte Januar übrigens auch muslimische Gläubige in Eschweiler. Dort ertönte zu Beginn des Jahres erstmals ein öffentlicher Gebetsruf. Der Entscheidungs- und Genehmigungsprozess nach Anfrage der DITIB-Gemeinde im April 2011 hatte weit über ein Jahr in Anspruch genommen. Für die Türkisch islamische Union der Anstalt für Religion e.V. ein „historisches Ereignis“ (mehr hier).

Ein ähnlicher Fall wie in Horn hat sich im vergangenen Jahr auch in Bursa, in der Türkei zugetragen. Die dortige Hagia Sophia, nicht zu verwechseln mit dem berühmten Bauwerk in Istanbul, war ursprünglich eine Kirche und wurde im Osmanischen Reich als Moschee genutzt. Nachdem sie jahrelang leer stand, ertönte dort Anfang November 2012 erstmals wieder der Ruf des Muezzins. Die Nutzungsänderung zog hier allerdings eine breite Debatte in den türkischen Medien nach sich. Es wurde darüber diskutiert, ob die Entscheidung der Bezirksregierung von Iznik, Landkreis der Provinz Bursa, überhaupt angemessen war. Denn: Ob der Bau eine Kirche, eine Moschee oder am Ende doch ein Museum sei – darüber herrschte Uneinigkeit, nicht nur in den Medien, sondern auch bei den Behörden (mehr hier).

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