US-Botschafter: Türkei kann Sezession im Irak verhindern

Der US-Botschafter zu Ankara, Francis Ricciardone, sagt: Die Türkei kann Spaltung des Irak durch wirtschaftliche Beziehungen verhindern. Die Kurden im Nordirak sagen jedoch: Wir wollen mehr Unabhängigkeit.

Chefdiplomat Francis Ricciardone (hier rechts im Bild) möchte Kooperation zwischen Bagdad, Ankara und Arbil (Foto: Official U.S. Navy Imagery/flickr)

Chefdiplomat Francis Ricciardone (hier rechts im Bild) möchte Kooperation zwischen Bagdad, Ankara und Arbil (Foto: Official U.S. Navy Imagery/flickr)

Der Chefdiplomat und Botschafter der USA, Francis Ricciardone, hat einem Bericht der Zeitung Hürriyet zufolge vor einer drohenden ethnischen und religiösen Spaltung im Irak gewarnt. Der einzige Weg dies zu verhindern, sei die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern zu festigen und irakische Ressourcen (Erdgas und Erdöl) über die Türkei auf den Weltmarkt zu bringen. Die Türkei müsse wirtschaftliche Beziehungen zum Gesamtirak aufbauen und dürfe sich nicht auf den Nordirak beschränken (mehr – hier).

„Wir würden uns sehr freuen, wenn türkische Unternehmen ihre Aktivitäten nicht nur auf die Energieressourcen des Nordirak beschränken, sondern auf die Ressourcen des gesamten Irak ausweiten“, so Ricciardone. Die USA stehe in Kontakt mit dem irakischen Premier Maliki und auch mit der kurdischen Autonomieregierung (KRG). Auch ihren Leuten von der KRG sage man, dass von einer Kooperation zwischen Bagdad, Arbil und Ankara alle profitieren können. Man wolle eine Transportalternative zur Straße von Hormuz erschaffen. Da biete sich nun einmal die Türkei als Transitland an. Ansonsten müsste man weiterhin einen Großteil der irakischen Energieressourcen über den persischen Golf transportieren.

Streit zwischen Arbil und Bagdad

Zuvor hatten türkische Medien darüber berichtet, dass zwischen Arbil und Ankara seit 2012 ein reger Handel mit Rohöl läuft. Der irakischen Zentralregierung schmeckt das gar nicht, zumal die KRG Bagdad politisch umgeht. Premier Maliki wirft der KRG Verfassungsbruch vor. Bei dem Streit geht es um die Exporteinnahmen aus dem Rohölgeschäft (mehr – hier). Im Zuge des Streits hatte der kurdische Stammesführer und Präsident der KRG, Massoud Barzani, der Zentralregierung mit einer Unabhängigkeitserklärung gedroht.

Barzani droht mit Unabhängigkeit

In einem Interview mit dem arabischen TV-Sender Al-Jazeera sagte er, dass die Kurden eine Bevormundung durch Bagdad ablehnen. Bagdad sehe den wirtschaftlichen Fortschritt in der KRG-Region und wolle dies verhindern. „Wir werden unsere Unabhängigkeit erklären, wenn wir von Bagdad nicht das erhalten, was wir wollen. Wir lassen uns nicht vom Restirak psychologisch unter Druck setzen“, so Barzani. Doch nicht nur Bagdad würde versuchen eine derartige Unabhängigkeit zu verhindern, sondern auch Teheran und Ankara. Barzanis Umsetzung seiner Drohung würde die gesamte Region ins Chaos stürzen und die leidtragenden wären die Kurden.

Mehr zum Thema:

 Nordirak will Militärpräsenz der Türkei beenden
 Irak: Türkei möchte im Öl- und Erdgasgeschäft mitmischen
 BP Report: Türkei gehört zu den weltweit führenden Gas-Konsumenten

 

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.