Debüt: DMA stellt erstes E-Mobil der Türkei vor

Für die türkische Automobilindustrie ist es ein echter Meilenstein: Am vergangenen Dienstag wurde in Istanbul das erste Elektroauto der Türkei vorgestellt. Auf den Markt gebracht wurde das Fahrzeug vom türkischen Hersteller DMA. Nach sechs Jahren Entwicklung stellt sich jedoch die Frage, wie viel Türkei steckt eigentlich unter der Haube?

Bis zur Präsentation am vergangenen Dienstag war es ein langer Weg. Ganze sechs Jahre hatte die in Istanbul ansässige Toyota-Tochter DMA gebraucht, um das erste Elektroauto der Türkei zur Serienreife zu bringen. Jetzt ist es geschafft und nach Ansicht des DMA-Vorstandsvorsitzenden Önder Yol „ein ernsthafter Schritt nach vorn für grüne Technologien und die türkische Automobilindustrie“. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Für die in der Türkei entwickelten und hergestellten Teile mag dies definitiv der Fall sein. Doch der leichte HVH 250 Motor etwa wurde vom US-Unternehmen Remy International zugeliefert und werde, so das Blatt weiter, bereits in einer ganzen Reihe von Elektro- und Hybrid-Autos verwendet, darunter auch in derartigen Modellen von Mercedes. Auch die Lithium-Ionen-Batterien stammen nicht aus der Türkei. Sie kommen aus Japan und wurden von anderen Hybrid-Toyota-Linien umfunktioniert. Selbst das Design des türkischen Modells ist an den Toyota Corolla angelehnt und hat noch nicht einmal einen eigenen Namen.

Kaum Eigenleistung des türkischen Herstellers

Es stellt sich also nicht nur für die Zeitung die Frage: Was ist eigentlich das Revolutionäre an diesem Elektro-Fahrzeug? Nach Auskunft von Yol sei die Steuerung völlig neu konzipiert worden und werde von einem „einzigen, effizienten Zentralsystem gesteuert“. Überzeugen, so gesteht auch die Zaman ganz unumwunden ein, konnte er das Gros der anwesenden Journalisten mit dieser Antwort allerdings nicht.

Selbstredend hätte das namenlose Vehikel jedoch auch seine guten Seiten. Die Batterie hat im Stadtverkehr eine Reichweite von 280 km und kann mit einem einfachen Adapter, der in eine Standard-Steckdose passt, aufgeladen werden. Eine Aufladung, die etwa acht Stunden dauert, kostet den Herstellerangaben zufolge umgerechnet etwa vier Dollar. Und das ist zugegebenermaßen nicht schlecht für ein Land, das die höchsten Benzinpreise in ganz Europa hat (mehr hier).

Der hohe Preis ist definitiv ein Kaufhindernis

Ein Haken sei auf der anderen Seite, wie eigentlich bei den meisten E-Autos, der Kaufpreis. Der liege augenblicklich bei satten 68,000 Dollar. Für den durchschnittlichen türkischen Kunden eine immense Summe. Ob dadurch die bisherige Scheu, die übrigens auch den europäischen und internationalen Markt betrifft, gebrochen wird, scheint mehr als fraglich. Kräftige Steuererleichterungen und ein höheres Öko-Bewusstsein hin oder her. Das türkische Durchschnittseinkommen liegt zudem bei etwa einem Fünftel von dem in den USA. Da werden, in diesem Punkt ist sich auch die Zaman sicher, auch Subventionen wenig ausrichten können. Abgesehen davon, dass die Anforderungen der türkischen Kundschaft nunmal ganz anders gelagert seien: Nachgefragt würden hier vor allem Luxus und keine Konzepte, die den Planeten retten, ist Berkan Bayram, Chefredakteur eines Automobilmagazins überzeugt. „Sie wollen etwas schnelles und etwas Deutsches.“ Zwar sei der Remy-Motor keine Rasenmäher, aber der hohe Preis sei definitiv ein Kaufhindernis.

Ohnehin wurde während der Präsentation deutlich, dass das türkische Toyota-Tochterunternehmen das Unterfangen offenbar nur widerwillig umgesetzt hat. So gestand Yol: „Ich glaube ehrlich gesagt nicht an die Zukunft des Hybrids. Es macht die Dinge komplizierter. Die Batterie-Technologie kann sich mit dem richtigen Investitionsentscheidungen ändern. In drei bis vier Jahren könnten sie sogar schon eine Reichweite bis zu 1000 Kilometern haben.“ Vielleicht wird man bis dahin ja auch einen Namen für das eigene Fahrzeug haben. 2013 wolle man aber schonmal rund 1200 Stück verkaufen.

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