Religiöse Propaganda: Türkischer Prediger kämpft mit Blondinen gegen Darwin

Der islamische Prediger Adnan Oktar hat eine interessante Verkaufsstrategie für seine Thesen gegen die Evolutionstheorie. Er führt eine eigene Talkshow und ist dort umgeben von mehreren blonden, jungen Frauen mit Modelmaßen. Allerdings stand er in der Vergangenheit unter Beobachtung durch den Verfassungsschutz.

Charles Darwin hat viele Feinde (Foto: shehal/flickr)

Charles Darwin hat viele Feinde (Foto: shehal/flickr)

Den Kreationisten ist keine Methode zu schade, um die Menschen von der Evolutionstheorie abzubringen. Auch der Innenarchitekt und islamische Sektenführer Adnan Oktar alias Harun Yahya versucht auf seinem Fernsehsender A9 auf eine kuriose Art, den Darwinismus zu bekämpfen (mehr – hier). Dort hat er eine Talkshow, der stets drei bis fünf junge Blondinen beiwohnen. Unter ihnen sind nicht nur Türkinnen, sondern auch ausländische Anhänger des islamischen Predigers. Einige tragen Kopftücher und andere wiederum nicht. In der Kopftuchfrage hat sein weibliches Gefolge die freie Wahl.

Unter seiner Gefolgschaft sind auch junge männliche Models anzutreffen. Fragen zur Schöpfung, dem Darwinismus oder zum Islam können die Zuschauer per Fax stellen. In der Regel stößt man auf Monologe des Predigers. Weiterhin veröffentlicht Adnan Oktar zahlreiche kreationistische Videos, Artikel und Bücher, die in mehreren Sprachen, unter anderem auch auf Deutsch, erschienen und im Internet kostenlos genutzt werden können. In Deutschland ist er deshalb kein Unbekannter. Zumindest die Sicherheitsbehörden interessieren sich für ihn.

Überwachung durch Verfassungsschutz

Dem Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg aus dem Jahr 2003 zufolge bedient sich Adnan Oktar (Harun Yahya) bei seiner kreationistischen Argumentation den Quellen christlicher Fundamentalisten aus den USA. Insbesondere nimmt er das Material des „Institute for Creation Research“ (CSR) als Grundlage. Weiterhin sprach Harun Yahya des Öfteren von einem Bündnis zwischen Nazis und Zionisten, das gebildet worden sei, um die Juden nach Palästina überzusiedeln. Der Holocaust sei eine Übertreibung einiger „kriegsbedingter Verluste“ gewesen. Ein „Judengenozid“ habe niemals stattgefunden (mehr – hier). Doch später distanzierte er sich von diesen Aussagen. Im Jahr 2011 fragte ihn der israelische Geschichtsforscher Prof. Robert S. Witrich in seiner Talkshow, was er denn über die Holocaust-Leugnung des iranischen Regimes halte? Witrich erhielt eine überraschende Antwort. Oktar sagte, dass der Völkermord an den Juden eine klare und offene Tatsache ist. Zudem sei jener Genozid ein „teuflisches Werk“ gewesen. „Dies war ein Werk des Dajal (Anti-Christ), um die Linie des Propheten Abraham zu durchbrechen“, meint Oktar.

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