Nach der Fahrerflucht: Frau von Schweizer Konsul darf Türkei nicht verlassen

Ein Gericht in Istanbul hat entschieden, dass die Frau des Schweizer Konsuls nach begangener Fahrerflucht am vergangenen Dienstag die Türkei nicht verlassen darf. Die Frau hatte ein Motorrad mit einem türkischen Ehepaar angefahren. Das Unfallopfer liegt schwer verletzt im Krankenhaus.

Der Zwischenfall, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, habe sich am vergangenen Dienstag im Istanbuler Stadtteil Bebek ereignet. Andrea Köppel hatte das türkische Ehepaar mit ihrem Jeep umgefahren und sich dann aus dem Staub gemacht (mehr hier). Doğan Durmuş İnal trug leichte Verletzungen davon. Seine Frau Filiz musste jedoch ins Krankenhaus gebracht werden. Die Konsulgattin fuhr davon, ohne sich zu kümmern. Später gab sie vor der Polizei an, in Panik gewesen zu sein.

Konsulgattin muss sich regelmäßig bei der Polizei melden

Nach der Befragung durch die Polizei, so heißt es weiter, habe ein Gericht in Istanbul nun angeordnet, dass sie die Türkei nicht verlassen dürfe. Weiterhin ordnete das Gericht an, dass sie sich bis auf Weiteres regelmäßig jeden Freitag auf der Wache zu melden und dort eine Unterschrift zu leisten hätte.

Nach Angaben der Zaman sei nicht unmittelbar klar gewesen, inwieweit in diesem Fall die diplomatische Immunität greife. Das Schweizer Portal „20 Minuten Online“ hat hierzu den Luzerner Rechtsanwalt Yetkin Geçer befragt. Nach Einschätzung des Juristen genieße die Frau wie ihr Ehemann diplomatische Immunität. Demnach könne sie sich frei von Strafverfolgung im Land aufhalten. Im aktuellen Fall müsse dies allerdings nicht heißen, dass sie straflos bleibe. Gleichzeitig weist er jedoch darauf hin: „Die Schweizer Botschaft muss zuerst ihr Einverständnis für die Strafverfolgung geben.“ Und dies, so zitiert ihn das Blatt weiter, scheine wohl der Fall zu sein, da die Frau bereits mit ihrem Anwalt mit der türkischen Polizei kooperiere. Noch sei es seiner Ansicht nach allerdings zu früh, um abzuschätzen, ob und in welcher Höhe der Frau eine Strafe drohe.

Unfallopfer schwebt zwischen Leben und Tod

Mittlerweile, so heißt es weiter, stünde auch das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) mit den türkischen Behörden in Verbindung. Dem Unfallopfer geht es nach Angaben ihres Mannes nicht so gut. Ihr Zustand sei ernst, zitiert ihn die türkische Zeitung. Es sei nicht sicher, ob sie den Unfall überlebe oder nicht. Bisher habe auch noch niemand vom Schweizer Konsulat mit ihm Kontakt aufgenommen.

Wie Doğan Durmuş İnal schildert, hätte der Vorfall auch noch weit dramatischer ausgehen können. Wäre ihr Motorrad direkt vor dem Jeep gewesen, hätte das Ehepaar locker überfahren werden können. Wie es überhaupt zu dem Unfall kam, erzählt er wie folgt: „Wir haben am Nachmittag einen Kaffee in Bebek getrunken. Danach sind wir etwa 200 bis 300 Meter gefahren. Hinter uns hupte ein Auto. Ich fuhr das Motorrad, meine Frau saß hinten. Wir trugen beide einen Helm. Nachdem sie gehupt hatte, konnten wir nichts mehr tun. Ich fuhr etwa 60 Kilometer pro Stunde. Eine angemessene Geschwindigkeit.“ İnal ist überzeugt, dass die Schweizerin zu schnell unterwegs gewesen war. So dass er keine Zeit mehr zum Reagieren hatte. Nun sei die ganze Familie am Boden zerstört und bange um seine Frau. Derzeit würden die Ärzte noch darauf warten, dass eine Blutung im Gehirn aufhöre, erst dann könne man sie operieren.

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