Türkischer Minister befürchtet Assimilation von Deutsch-Türken

Der türkische Vizepremier Bekir Bozdağ sagt: 4000 türkischen Pflegekindern in Deutschland droht die totale Assimilation. Er verlangt die Unterbringung der Kinder in muslimisch-türkischen Familien und unterstellt deutschen Behörden Fehlentscheidungen. Doch zumeist mangelt es an der nötigen Nachfrage muslimischer Familien nach Pflegekindern.

Der türkische Vizepremier und Verantwortliche für die Auslandstürken (mehr – hier), Bekir Bozdağ, ist derzeit in Sorge um die in Deutschland und Europa lebenden Türken. Er befürchtet eine zunehmende religiöse und kulturelle Assimilation der Auslandstürken. Sehr mitgenommen hat ihn die Geschichte eines deutsch-türkischen Mädchens namens Elif Yaman. Das Sorgerecht über das Mädchen wurde ihren Eltern im Alter von zwölf Jahren entzogen. Sie wurde für sieben Jahre bei einer deutschen Pflegefamilie untergebracht und ist weder der türkischen Sprache mächtig, noch kennt sie sich in der türkischen Kultur aus (mehr – hier). Anfang Februar 2013 wurde sie im Rahmen einer großangelegten türkischen Medienkampagne ihrer Mutter in der Türkei zugeführt. Das Ereignis wurde im türkischen Fernsehen übertragen und lief sehr emotional ab. Derzeit befinden sich 4000 muslimisch-türkische Kinder in der Obhut deutscher Pflegefamilien.

Türkischer Minister fordert mehr muslimische Pflegefamilien

Das ist nicht das erste Mal, dass Bozdağ diese Problematik anspricht. Im November 2012 gab er dem Journalisten der Tageszeitung Hürriyet, Fatih Çekirge, ein Interview zum Thema der muslimisch-türkischen Pflegekinder bei deutschen Familien. Bozdağ sagt, dass er dem deutschen Staat keine gezielte Assimilationskampagne unterstelle, sondern Verfehlungen sehe, die zwangsläufig zu einer Assimilation und Konversion von muslimisch-türkischen Kindern führen. „Denn jene Kinder werden automatisch in eine kulturelle Zwangslage versetzt und es entstehen Identitätsprobleme, die zu psychosen führen“, so Bozdağ . Sowohl das körperliche Wohl, als auch das geistige Wohl der Kinder müssen im Vordergrund stehen. Er beobachte Fahrlässigkeit bei den Jugendämtern.

Religion muss berücksichtigt werden

Mittlerweile setzen sich die Jugendämter deutschlandweit für die Anwerbung von muslimischen Pflegefamilien ein. Das Deutsche Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) stellte im Jahr 2007 im Rahmen eines Gutachtens fest, dass die Nachfrage muslimischer Familien nach Pflegekindern sehr gering sei. Deshalb gebe es Schwierigkeiten bei der Unterbringung von muslimischen Kindern in muslimischen Familien. An dieser Stelle ist ein wichtiger Paragraph des bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) zu erwähnen, an den sich alle Jugendämter halten müssen. Gemäß § 1801 BGB, ist bei der „Unterbringung des Mündels“ durch das Jugendamt auf das „religiöse Bekenntnis oder die Weltanschauung des Mündels und seiner Familie Rücksicht zu nehmen“. Die Forderung Bozdağs ist gesetzlich verankert. Nun muss nur noch die Nachfrage nach muslimischen Kindern durch muslimische Familien steigen. Dann dürfte auch dieses Problem aus der Welt sein.

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