Sedat Peker: Mafioso aus Deutschland soll Massaker gegen Aleviten angestiftet haben

Der deutsch-türkische Pate, Sedat Peker, soll einer der Anstifter des Gazi-Massakers von 1995 gewesen sein. Bei den Unruhen zwischen Aleviten und Sunniten in dem Istanbuler Wohnviertel Gazi starben 20 Menschen. Doch Peker weist die Anschuldigung zurück.

Einem Bericht der Untersuchungskommission des türkischen Parlaments zur Aufarbeitung der Militärputsche zufolge, soll der in Deutschland aufgewachsene türkische Mafia-Boss und bekennende Pan-Turkist, Sedat Peker, krimineller sein, als vorher angenommen. Im Jahr 1995 soll er ein Massaker im mehrheitlich alevitischen Istanbuler Stadtviertel Gazi angestiftet haben.

Ablauf der Ereignisse

Die Gewalt wurde ausgelöst durch einen Anschlag auf ein Café, der einem Menschen das Leben kostete und 25 weitere Personen verletzte. Die Polizei kam nicht schnell genug an den Tatort, obwohl sich im Viertel eine Polizeistation befand. Die Lage war seit einigen Tagen ohnehin angespannt, da ein Bewohner des Gazi-Viertels in Polizeigewahrsam gestorben war. Einen Tag nach dem Anschlag versammelten sich 15.000 Menschen aus ganz Istanbul, um vor der Polizeistation im Gazi-Viertel zu protestieren. Die Polizei schoss auf die Menge und tötete insgesamt 20 Menschen mit zahlreichen Verletzten. Die Straßenkämpfe sprangen auf weitere Stadtteile über und es wurde der Notstand ausgerufen. Die Lage beruhigte sich erst durch das Eingreifen des Militärs. Nur zwei Polizisten wurden in den darauffolgenden Gerichtsprozessen verurteilt. Der Polizeibeamte Adem Albayrak erhielt eine Haftstrafe von 40 Monaten, während der andere Beamte Mehmet Gündoğan eine zwanzigmonatige Haftstrafe verbüßen musste. Gündoğans Strafe wurde jedoch zur Bewährung ausgesetzt.

Sedat Peker als Drahtzieher

An jenem  Anschlag, der zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen geführt hatte, soll nun Sedat Peker als Mitglied der Ergenekon-Organisation gewesen sein. Die Untersuchungskommission sagt, dass die Ergenekon-Organisation im Verbund mit der linksextremen türkischen Terrororganisation MLKP die Unruhen angetiftet haben. Nur so sei eine beidseitige Aufstachelung möglich gewesen. Ziel sei die Destabilisierung der türkischen Gesellschaft und die Schaffung von Rahmenbedingungen für einen Putsch gewesen.

Im Dienste des Generals?

Sedat Peker habe im Auftrag vom pensionierten türkischen Brigadegeneral Veli Küçük gehandelt. Veli Küçük soll einer der führenden Köpfe der Ergenekon-Organisation sein (mehr – hier). Der Verschwörergruppe gehören der türkischen Staatsanwaltschaft zufolge zahlreiche Journalisten, Politiker, Ex-Militärs, Geschäftsleute und Anwälte an, gegen die derzeit Gerichtsverfahren laufen. Der AKP-Regierung wurde von Kritikern immer wieder vorgeworfen, dass sie das Verfahren gegen die mutmaßlichen Mitglieder der Untergrundorganisation nutze, um weitere unliebsame Stimmen mundtot zu machen.

Bisher hat Peker jegliche Mitgliedschaften in einer Terrororganisation zurückgewiesen. Auch in Putschpläne sei er niemals verwickelt gewesen sein. Bei seiner Vernehmung im Jahr 2009 hat er gesagt, dass Putschisten, Putsche und Putschversuche ihm zu wider sind und nicht in den Gerichtssaal gehören, sondern in die Irrenanstalt (mehr – hier)

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