Behinderter Russischer Junge: Türkisches Militär geht mit Musterung auf Nummer sicher

Seine dramatische Geschichte rührte vor kurzem das russische Fernsehpublikum zu Tränen. Ein junger Mann, der vor vier Jahren bei einem Unfall in der Türkei schwer verletzt wurde und seitdem schwerstbehindert ist, wurde von einer türkischen Frau selbstlos aufgenommen und seither gepflegt. Weniger selbstlos reagierte jedoch das türkische Militär. Dieses wollte auf Nummer sicher gehen und musterte den Jungen trotzdem.

Seit seinem Unfall im Jahr 2008 in Antalya ist für den von allen Umut genannten jungen Mann nichts mehr wie es war. Ohne Angehörige lag er in einem Krankenhaus und obschon seine Identität bis heute nicht geklärt ist (mehr hier), fand er Zuflucht bei der Familie von Gülsüm Kabadayı, die sich seither rührend um den hilflosen Russen kümmert. Im Laufe der Jahre erhielt er auf Grund dieser Umstände auch die türkische Staatsbürgerschaft. Laut Papieren hört er seitdem auf den offiziellen Namen Mustafa Öz.

Zur Musterung beim türkischen Wehrersatzamt vorgeladen

Ein Schritt, der auch das türkische Militär auf den Plan gerufen hat. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, wurde er zur Musterung beim türkischen Wehrersatzamt vorgeladen und wegen Untauglichkeit ausgemustert. Was zunächst völlig absurd erscheint, ist in der Türkei jedoch ein völlig übliches und vor allem gründliches Prozedere. Der Militärdienst gilt als besonders hart und nicht selten versuchen junge Männer diesen mit allen Mitteln zu umgehen – das Vortäuschen von schweren Gebrechen eingeschlossen.

Im Fall von Mustafa liegt die Sache jedoch klar auf der Hand. Kabadayı verbrachte gut 300 Tage mit ihm im Krankenhaus. Ganze 110 davon lag der Schwerletzte sogar auf der Intensivstation. Relativ zügig, so berichtet das Blatt weiter, habe er dann einen türkischen Personalausweis erhalten, der ihn als Mustafa Öz ausweist. Zudem wurde er bis zu seiner Entlassung der staatlichen Obhut unterstellt.

Bis heute keine Angehörigen ausfindig gemacht

Mit ihm hat die dreifache Mutter  Gülsüm Kabadayı nun ein viertes Kind, wie sie selbst zur Zeitung sagt. Er sei Teil ihrer Familie. Eine Familie, die es in Russland offenbar nicht gibt. Bis heute konnte man keine Angehörigen ausfindig machen, obwohl sich zuletzt gleich mehrere gemeldet hatten und behaupteten, Mustafas Familie zu sein. Damals, 2008, sei ihr gesagt worden, dass der junge Mann entweder russischer Abstammung sei oder aus einem der Nachbarstaaten komme. Bestätigt wurde diese Annahme allerdings nie. Ob er tatsächlich Russe sei oder nicht, wüsste sie daher nicht mit Bestimmtheit. Am Ende sei das allerdings auch gar nicht wichtig.  „Er ist mein Sohn. Seine Religion, Sprache, Abstammung, das sind nicht die Dinge, die mich interessieren. Falls seine Mutter noch lebt, lassen sie sie wissen, dass es Mustafa gut geht. Sie soll sich mit uns in Verbindung setzen.“

Hergeben, das gesteht sie frei heraus, wolle sie den jungen Mann nun allerdings nicht mehr. Als er aus dem Krankenhaus entlassen wurde, habe er nur noch 30 Kilogramm gewogen. Jetzt gehe es ihm gesundheitlich gut. Es ist nicht zwingend, einen Menschen geboren zu haben, nur um seine Mutter zu sein, sagt sie bestimmt. Sie schlägt vor, dass sich seine leibliche Mutter ebenfalls in Antalya niederlasse und sich die Frauen künftig zusammen um ihn kümmern.

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