Griechenland: Keine Kooperation mit Türkei bei Moscheebau in Athen

Der Bau der ersten Moschee in Athen wird ohne die Hilfe der türkischen Regierung vollzogen. Die griechische Regierung möchte ihre Angelegenheiten selbst regeln und hält die Religionsfreiheit hoch. Leider bekommt Athen in Fragen der Religionsfreiheit schon seit Jahrzehnten schlechte Noten von der UN und der EU.

Die griechische Regierung hat jegliche Beteiligung der türkischen Regierung an dem geplanten Moscheebau in Athen zurückgewiesen. Der stellvertretende griechische Außenminister, Constantinos Tsiaras, sagte im griechischen Parlament, dass es in dieser Angelegenheit keinerlei Kooperation oder Abmachungen mit der Türkei gebe. Griechenland werde die Bauvorgaben und Finanzierung selbst in die Hand nehmen. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Diese Haltung Griechenlands sei klar und deutlich. Die Türkei habe sich in den letzten Jahren als Verfechter der muslimischen Interessen in Szene gesetzt und sich immer wieder in griechische Angelegenheiten einmischen wollen. Tsiaras sagte weiterhin, dass Athen eine der wenigen europäischen Hauptstädte sei, die keine Moschee habe. Doch in der griechischen Verfassung sei die Religionsfreiheit verankert und dies gelte nun einmal auch für Muslime (mehr – hier). Allerdings werde die Moschee keine Minarette haben und das Grundstück werde in der Hand des griechischen Staates bleiben. Eine Kommission aus fünf griechischen und zwei muslimischen Vertretern werden den Bauvorgang begleiten. Der Imam der Moschee wird vom griechischen Bildungsministerium eingesetzt werden (mehr – hier)

Unterdrückung von Minderheiten

Im Nordosten Griechenlands leben mehrheitlich türkische Muslime. Die griechische Regierung hat die türkische Identität bis zum heutigen Tage nicht anerkannt und fasst die Türken unter dem Sammelbegriff  „Muslime“ zusammen. Andere muslimische Gruppen sind die Albaner und Muslime aus Makedonien. Der europäische Gerichtshof befand Griechenland in einer Reihe von Menschenrechtsverletzungen gegen Muslime in Griechenland für schuldig. In diesem Zusammenhang verstoße Griechenland insbesondere gegen den Artikel 9 (Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit) der europäischen Menschenrechtskonvention. Auch die UN geht von massiven und systematischen Menschenrechtsverletzungen aus. Trotzdem ist der Bau der minarettlosen und unter staatlicher Kontrolle stehenden Moschee in Athen ein kleiner Schritt in Richtung Aussöhnung und Demokratie.

Nationalismus und Religion in Griechenland

Der Träger der griechischen Identität und des Nationalismus ist nun einmal die griechisch-orthodoxe Kirche. Der Metropolit (hoher Würdenträger der Kirche) Seraphim aus Piräus meint, dass der Bau der  „islamischen Kaserne“ (gemeint ist das Moscheeprojekt von Athen) verhindert werden müsse. Dies sei ein Projekt der Nachkommen der Kreuzritter und Türkenfreunde aus Brüssel. Sie wollen die östlichen Christen wie einst verraten. Griechenland stehe vor einer großen muslimischen Eroberungsgefahr und dies müsse verhindert werden. „Es findet eine Verschwörung statt, die Griechenland und das orthodoxe Christentum  zu versklaven trachtet“, so Seraphim.

Marineoffiziere, Uniprofessoren und Akademiker unterstützten den hohen kirchlichen Würdenträger in seinem Anliegen. Seraphim meint aber auch eine Erklärung für die griechische Finanzkrise gefunden zu haben. Im Jahr 2010 sorgte er für Empörung, als er bei einem Auftritt beim Fernsehsender Mega TV erklärte, dass nicht die verschwenderischen oder korrupten griechischen Politiker Schuld an der Krise wären, sondern die Juden.

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