Vatikan: Intrigen, Skandale und Geldwäsche?

Der angekündigte Rücktritt des Papstes Benedikt XVI. hatte weltweit für Erstaunen gesorgt. Die Öffentlichkeit suchte nach objektiven Gründen. Doch der Rücktritt wird auch mit seiner Unzufriedenheit über angebliche Missstände im Vatikan in Verbindung gebracht.

Nach der überraschen Ankündigung seines Rücktritts (mehr – hier), die der Papst mit den Worten: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben“ verlas, setzten sofort mediale Spekulationen über mögliche Gründe ein.

Die linksliberale Pariser Zeitung „Libération“ schreibt: „Man wird niemals wissen, ob Benedikt XVI. der körperlichen oder der metaphysischen Erschöpfung nachgegeben hat. Ob sein Körper nicht mehr die erforderliche Kraft für das Amt aufbringt. Oder ob die Seele nicht mehr glaubt, ob durch die unausweichliche Verweltlichung Zweifel entstanden sind, was vielleicht auch einem Papst passieren kann.“ Andere Spekulationen führen  auf einen Finanzskandal im Vatikan zurück. Die DWN berichtet, dass im Zuge einer Intrige des ehemaligen Finanzchefs des Vatikans,  vor einigen Jahren ein geheimer Haushaltsbericht an die Öffentlichkeit gelangte, aus dem sich ergab, dass der Vatikan im Jahr 2008 über Barreserven in der Höhe von 340 Millionen Euro verfügt hat. Im Januar 2013 hatte die italienische Zentralbank verkündet, dass man den gesamten Kreditkarten-Verkehr und alle Geldautomaten im Vatikan sperre. Denn der Kirchenstaat ignoriere die internationalen Vorschriften gegen die Geldwäscherei, so die Zentralbank (mehr – hier).

Nach Angaben der türkischen Tageszeitung Milliyet, beklagte sich der Papst bei seinen Verwandten in Deutschland über den Vatikan. Margarete Ricardi, eine enge Familienfreundin von Joseph Ratzinger, äußerte sich wie folgt zum Rücktritt: „Benedikt XVI. ging bei jeder Gelegenheit nach Deutschland, um mit Freunden und Verwandten zu sein. Er sagte, dass er dem Vatikan nicht mehr vertrauen könne und sich so allein fühle.“

Die FAZ berichtet, dass der Rücktritt des Papstes für seinen langjährigen Kollegen und Freund Max Seckler ein Zeichen der Größe des Kirchenoberhaupts ist. Der Tübinger Theologe sagte: „Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet. Er fügte hinzu, dass der Papst unter manchen Dingen sehr gelitten habe, die dieses Amt mit sich bringt. „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe und edler Mensch ist”, sagte Seckler. Er habe sich schon seit Jahren gefragt, wie lange Benedikt XVI. diese Belastung nach aushalten könne.

Nach der Rücktrittsankündigung setzten auch sehr schnell Spekulationen über mögliche Nachfolger ein. Nach Angaben von Focus, setzt ein irischer Buchmacher auf Kardinal Marc Ouellet aus dem kanadischen Quebec. Auch zwei Afrikaner werden genannt: Peter Turkson aus Ghana und Francis Arinze aus Nigeria. Aus Lateinamerika wird vor allem der Erzbischof von Sao Paulo, Kardinal Otto Scherer, als einer der Favoriten gehandelt.

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