Zu hohe Verluste: Baumarktkette „Praktiker“ zieht sich aus der Türkei zurück

Die angeschlagene deutsche Baumarktkette Praktiker AG schließt seine Filialen in der Türkei und zieht sich aus dem Land zurück. Zuletzt hatte der Konzern versucht, seine dort bestehenden Filialen zu veräußern. Doch der Verkauf der neun Märkte an einen Investor schlug fehl.

Wie die türkische Zeitung Zaman berichtet, habe die türkische Tochtergesellschaft der Praktiker AG bereits am vergangenen Montag die Eröffnung eines geordneten Insolvenzverfahrens bei einem Gericht in Istanbul beantragt. „Wir können uns einen dauerhaften Verlustbringer wie die Türkei nicht leisten. Wir haben intensive Anstrengungen unternommen, um unsere türkische Tochtergesellschaft zu veräußern. Doch zu einem akzeptablen Geschäft sind wir nicht gekommen“, zitiert das Blatt Armin Burger, seit Mitte Oktober 2012 Vorstandsvorsitzender von Praktiker.

Der ehemalige Aldi-Süd-Manager, der den glücklosen Interims-Chef Kay Hafner abgelöst hat und nun den angeschlagenen Konzern wieder auf Kurs bringen soll, will sich fortan auf die Profitabilität seiner Märkte in allen anderen Ländern konzentrieren. Geschehen solle das durch eine Optimierung der Strukturen und Prozesse sowie der Eindämmung der Kosten. Im Zuge des Insolvenzverfahrens in der Türkei sollen die neun Märkte samt des noch vorhandenen Warenbestands ganz oder teilweise verkauft werden. Praktiker ist übrigens nicht die erste europäische Kette, die in der Türkei das Handtuch wirft. Bereits im Juni 2012 wurden Meldungen laut, dass das größte Einzelhandelsunternehmen Europas, die französische Kette Carrefour, den Exit aus der Türkei plane (mehr hier).

Seit Oktober 2012 steht das Finanzierungspaket

Der Sanierungsprozess der Praktiker AG, die sich mit ihrer Rabattpolitik selbst ein Bein gestellt hatte, läuft bereits seit gut eineinhalb Jahren. Anfang Oktober 2012 dann ein erstes Aufatmen. Das angeschlagene Unternehmen konnte erfolgreich neue Kredite verhandeln und will seither mit Hilfe eines Finanzierungspakets in Höhe von 40 Millionen Euro den Umbau stemmen. Das Geld stammt von der österreichischen Privatbank Semper Constantia. Noch im Sommer zuvor war der Baumarktkette nur eine geringe Überlebenschance prophezeit worden.

Während die Praktiker AG geht, machte im August vergangenen Jahres die Nachricht die Runde, dass der größte Brillenglashersteller der Welt, Essilor, sich nach elf Jahren wieder in der Türkei niederlassen wolle. Nachdem das französische Unternehmen, das derzeit gut 43.000 Mitarbeiter beschäftigt, bereits 70 Prozent der Yeda Tora Optik und 51 Prozent von Opak Optik gekauft hatte, wollte man darauf hin weiter in der Türkei investieren und von dort aus die gesamte Region erschließen (mehr hier).

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