Banken: Islamische Anleihen sollen aus der Finanzkris​e führen

Angesichts der andauernden Finanzkrise könnten sich auch europäische Großanleger für islamische Anleihen interessieren. In der Türkei gibt es das islamische Bankenwesen erst seit 2010.

Den Berichten der Tageszeitung Today`s Zaman zufolge steigt die Nachfrage nach islamischen Anleihen (Sukuks). Deshalb kommt es derzeit verstärkt zur Emission (Ausgabe) von Sukuks durch islamische Beteiligungsbanken. „Nachrangige islamische Anleihen würden den Banken helfen das Ungleichgewicht zwischen den Laufzeiten ihrer Verbindlichkeiten und Vermögensgegenständen zu lösen. Gleichzeitig würden den Banken mehr finanzielle Mittel zur Verfügung stehen“, so der Chef der Finanzabteilung von der türkischen Bank Asya, İbrahim Öğüdücü.

Die Nachfrage nach Sukuks steigt

Auch immer mehr nicht-islamische Anleiheninteressenten investieren in die Sukuks, da sie in Zeiten der Finanzkrise als relativ stabile Investitionen eingestuft werden. Aber vor allem Investoren aus Malaysia und den islamischen Golfstaaten sind interessiert an den Sukuks. In der Türkei gibt es derzeit vier islamische Beteiligungsbanken. Zu ihnen gehören neben der Bank Asya auch die Kuveyt Türk, die Türkiye Finans und die Albaraka Türk (mehr – hier). In der zweijährigen Geschichte des türkisch-islamischen Bankwesens wurden bisher nur zwei Sukus emittiert. Beide Sukuks wurden von der Kuveyt Türk herausgegeben und hatten einen Wert von 450 Millionen Dollar. Die Bank Asya wird im ersten Quartal 2013 ebenfalls einen Sukuk im Wert von 200 bis 300 Millionen Dollar veräußern. Albaraka Türk hat auch ebenfalls angekündigt, dass man eine Sukuk-Emission plane. Der Europa, Nahost- und Afrika-Chef (EMEA) der Citigroup, Alberto Verme, hatte bereits 2012 im Gespräch mit der türkischen Zeitung Hürriyet gesagt, dass die Bank mit den Regierungen von Bahrain und Katar in Verhandlungen getreten sei, um sich am islamischen Bankenwesen zu beteiligen. Vor allem die Türkei sei ein sehr interessanter Wachstumsmarkt für seine Bank. Zinslose Sukuks bereichern die Auswahl von Anleihen für die Kunden. Alternativen werden geschaffen (mehr – hier).

Fünf Sukuk-Arten können erworben werden

Insgesamt gibt es im islamischen Bankenwesen fünf verschiedene Hauptarten der Sukuks: Die Sukuk al-murabaha ist ein Kauf- und Rückkaufvertrag, bei dem ein Kunde einen Sachgegenstand von der islamischen Bank erwerben möchte. Zu Beginn des Kaufs wird zwischen der Bank und dem Kunden ein Rückkaufpreis für den verkäuflichen Sachgegenstand festgelegt, was auch die Kosten der Bank beinhaltet. Wertsteigerungs- und Risikozuschlag sind in diesem Preis enthalten. Beim Sukuk al-idschara liegt ein Leih-oder Leihkaufvertrag vor. Dieser Sukuk ähnelt einem Pachtvertrag, denn die Bank bleibt Eigentümer des Vermögensgegenstandes und trägt alle Risiken. Der Vermögensgegenstand wird mit einer zeitlichen Befristung an den Kunden verliehen und der Kunde muss eine festgelegte Pacht zahlen. Liegt jedoch ein Leihkaufvertrag vor, gelten die Pachtzahlungen als Abzahlung des Vermögensgegenstandes bis zum kompletten Erwerbszeitpunkt durch den Kunden. Nutzungsdauer und Wert des Vermögensgegenstandes werden vorher festgelegt. Der Sukuk al-muscharaka  ist ein Gewinn- und Verlustvertrag, wonach die Bank und der Kunde das Eigentum gemeinsam erwerben. Die Haftung beschränkt sich auf die Einlagen. Bei der fünften Sukuk-Kategorie, Sukuk al-mudaraba, geht es um die Aufnahme von Eigenkapital. Dabei wird das Eigentumsrecht an einem bestimmten Projekt für dessen Finanzierung der Sukuk ausgegeben wurde, verbrieft. Der Sukuk al-mudaraba findet seine Anwendung bei Großprojekten. Mehrere Parteien beteiligen sich mit Einlagen in verschiedenen Höhen und erhalten Gewinnanteile entsprechend ihrer Einlagen.

Den Untersuchungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge könnte die weltweite Nachfrage nach islamischen Anleihen bis zum Jahr 2017 die 900 Milliarden US-Dollarmarke erreichen.

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