Türkische TV-Serien: Wecken sie nun auch die Leselust der Türken?

Dass die türkische Bevölkerung nicht gerade zu den größten Leseratten weltweit zählt, das hat sich in den vergangenen Jahren durchaus herumgesprochen. Dass nun aber ausgerechnet türkische TV-Serien die Leselust der Türken beflügelt haben sollen, ist neu. Aufgebracht wird diese „Theorie“ von der türkischen Verlegervereinigung YAYFED.

Einige türkische TV-Serien, so erläutert der YAYFED-Vorsitzende Bayram Mura, würden derzeit wahre Quotenrekorde erzielen. Und entsprechend, so der Fachmann während einer Pressekonferenz auf der gerade eröffneten Buchmesse in Antalya, geschehe das auch mit den Verkaufszahlen der zu Grunde liegenden Bücher. Nachgefragt würden diese jedoch nicht nur in der Türkei.

TV-Serien steigern Softpower der Türkei

Diese steige dadurch auch im umliegenden Ausland. Als Beispiel nannte Mura Bücher über Hürrem Sultan. Eine historische Figur, die Dank der polarisierenden TV-Serie „Muhteşem Yüzyıl“ erheblichen Bekanntheitsgrad erlangen konnte (mehr hier). Er rechnet damit, dass sich in Zukunft auch die Anzahl der Übersetzungen aus dem Türkischen nachhaltig steigern werde. Und das mit Mehrwert: Denn durch solche Formate, da ist sich auch Nilüfer Narlı von der Bahçeşehir Universität sicher, hätte sich die so genannte Softpower der Türkei im Nahen Osten und auf dem Balkan immens gesteigert. „Da die Verbreitung von Seifenopern auf dem internationalen Parkett zugenommen hat, ist auch das Lernen der türkischen Sprache und Kultur in den arabischen und den Balkanländern sehr wichtig geworden. Das ist es, was wir im Rahmen der Kulturindustrie Softpower nennen.“

Türkei: Lesen nicht fester Bestandteil des Alltags

Doch zurück zum gesteigerten Interesse an Büchern in der Türkei. Wie begrüßenswert diese Entwicklung gerade innerhalb des Landes ist, das zeigte eine im Februar vergangenen Jahres veröffentlichte Statistik. Die Gewerkschaft der Demokratischen Pädagogen (DES) brachte damals mit ihrem Bericht zu den Lesegewohnheiten in der Türkei erschreckende Zahlen heraus. Demnach liege eine türkische Wissensgesellschaft noch in weiter Ferne. Lesen ist immer noch nicht fester Bestandteil des Alltags. Als alltäglicher Gebrauchsgegenstand stünden Bücher in der Türkei, nach Angaben der DES, sogar erst an 235. Stelle. Vor allem türkische Schülerinnen und Schüler haben mit dem Lesen Probleme. In Sachen Leseverständnis landeten sie in der Pisastudie 2009 auf Platz 41.

Ein Umstand, der nicht von Ungefähr kommt. Laut DES verbringen die Türken jährlich nur etwa sechs Stunden mit dem Lesen eines Buches. Nur einer von Tausend greift überhaupt zum Buch. Gelesen wird im Schnitt etwa eines in ganzen zehn Jahren und Bibliotheken sind zudem nur sehr wenig verbreitet. Die andere Seite der Medaille sind jedoch die hohen Kosten für Bücher ( mehr hier).

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