Aufreger am Bosporus: Türkische Kinder an gleichgeschlechtliche Paare in Belgien vermittelt

Drei Kinder türkischer Herkunft sollen vom hiesigen Jugendamt in die Obhut homosexueller Paare in Belgien gegeben worden sein. Das behauptet der Vorsitzende der Parlamentarischen Untersuchungskommission für Menschenrechte, Ayhan Sefer Üstün. Für ihn stellt dieses Vorgehen ganz klar eine Verletzung der Menschenrechte dar.

Auf den ersten Blick mag man die Aufregung von Ayhan Sefer Üstün vielleicht nicht unbedingt nachvollziehen können. Doch für den Vorsitzenden der Parlamentarischen Untersuchungskommission für Menschenrechte ist der Umstand, dass drei Kinder türkischer Herkunft zu homosexuellen Paaren in Belgien abgegeben worden sein könnten, ein echter Graus. Für ihn stellt ein solches Vorgehen des Jugendamtes eine Verletzung der Menschenrechte dar. Der Grund: Deren Lebensweise und Überzeugungen wären seiner Ansicht nach mit denen der Kinder alles andere als vereinbar. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Mit seiner Aufregung ist Üstün jedoch nicht allein: Die Debatte über türkische Kinder in Europa rückte bereits im vergangenen Monat in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der stellvertretende Ministerpräsident Bekir Bozdağ hatte darauf hingewiesen, dass rund 4.000 türkische Kinder in Europa von ihren Familien entzogen und dann an christliche Familien abgegeben würden (mehr hier).

Delegation will türkische Kinder in Europa untersuchen

„Berichten zufolge gibt es mindestens 5.000 türkische Kinder, die in der Betreuung vom Jugendamt in Europa sind“, stellt Üstün nun klar. Wie es um ihr Befinden steht, solle jetzt allerdings genauer unter die Lupe genommen werden. Die Parlamentarische Untersuchungskommission für Menschenrechte, so kündigt er an, werde bereits in Kürze eine Delegationen in Länder mit großer türkischer Bevölkerung entsenden, um einen Bericht über den Zustand der Kinder anzufertigen. Die erste Gruppe werde sich demnach bereits am 17. April auf den Weg machen.

Durch Missbrauch oder finanzielle Probleme komme es, so Üstün, zum Auseinanderbrechen vieler Familien. In solchen Fällen schreite dann das Jugendamt ein und übernehme die türkischen Kinder. Soweit, so gut. Allerdings: Diese würden mit der Zeit den Kontakt zu ihren Familien verlieren und dann schließlich mit ihrer eigenen Kultur und Tradition nicht vertraut gemacht werden. Dass das allerdings mehr als eine weit hergeholte These ist, davon konnten sich die türkischen TV-Zuschauer erst Ende des vergangenen Monats live und in Farbe überzeugen. Ein türkisches Mädchen, das vor sieben Jahren an eine deutsche Familie übergeben wurde, konnte mit Hilfe von Bozdağ wieder mit ihrer Mutter in der Türkei zusammen kommen (mehr – hier). Elif Yaman kam im Alter von zwölf Jahren in staatliche Obhut, da ihre Mutter auf Grund von Arbeitslosigkeit nicht in der Lage gewesen sein soll, das Kind zu versorgen. Das Mädchen wurde dann zu einer christlichen Pflegefamilie gegeben und ihre leibliche Mutter wurde später in die Türkei abgeschoben.

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