Türkenfreie Kindergärten: Jürgen Flieges Aussagen wurden missverstanden

Dem evangelischen Pfarrer Fliege wird Türkenfeindlichkeit vorgeworfen. Doch seine Aussagen im TV richten sich gegen Diskriminierung, Vorurteile und die katholische Kirchenpolitik. Fliege nimmt Türken und Migranten in Schutz.

Der evangelische Pfarrer Jürgen Fliege hat bei der TV-Show „Menschen bei Maischberger“ gesagt, dass sich katholische Kindergärten großer Beliebtheit erfreuen, weil sie „türkenfrei“ seien. Seine Aussage richtete sich klar und deutlich gegen die katholische Kirchenpolitik. Fliege wollte hier eine gesellschaftliche Problematik ansprechen, die von zahlreichen Studien untermauert wird.

Nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) aus dem Jahr 2010 ist keine Nationalität so unbeliebt wie die der Türken. 38 Prozent der Deutschen wollen keine Türken als Nachbarn. Hingegen empfinden 41 Prozent der Deutsch-Türken deutsche Nachbarn als angenehm und wünschen sich mehr Kontakt zu Deutschen. Doch sie stoßen auf Ablehnung und Desinteresse, so die Studie. Deutsch-Türken sind unbeliebt, unwillkommen und trotzdem trifft man sie überall an.

Ausgehend von diesen Umständen erscheint es nur logisch, dass deutschstämmige Eltern ihre Kinder in Kindergärten geben wollen, die „türkenfrei“ sind. In Elternforen der sozialen Medien, kann man jene Beweggründe beobachten. Bei parents.at fragt eine Mutter nach Kindergärten, wo nur Christenkinder hingehen. Auf die Gegenfrage eines Forenutzers, warum ihr das so wichtig sei, antwortet die Nutzerin: „Ich will eben keine Moslems oder ähnliches in dem Kiga haben, wo meine Kinder hingehen!“. Das ist die Wahrnehmung.

Muslimisches Kind bei zwei Kindergärten abgelehnt

Einem weiteren Bericht der Waltroper Zeitung zufolge wurde ein muslimisches Kind in Marl im Januar 2013 gleich zweimal von katholischen Kindergärten abgelehnt. Man habe ihm gesagt, dass er sich die Anmeldung sparen könne, weil Moslemkinder sowieso abgelehnt werden. „Wir wollen uns integrieren und man lässt uns nicht. Ich wollte, dass meine Kinder im katholischen Kindergarten auch das Christentum hautnah mitbekommen“, so der Vater, der aus Angst namentlich nicht genannt werden wollte. Zweifelsohne gibt es auch muslimische Kinder in katholischen Kindergärten, doch scheinbar achtet die katholische Kirche darauf eine Art Moslemquote zu erfüllen, um Vorwürfen der Öffentlichkeit auszuweichen. Derzeit ist nur jedes siebte Migrantenkind in der Tagesbetreuung (mehr – hier).

Jürgen Fliege wollte eben diesen Missstand ansprechen, da er über genauere Einblicke in die Kirchenpolitik verfügt. Auf seiner Internet-Seite sagt er, dass das Motiv von Eltern, ihre Kinder in Konfessionsschulen anzumelden sei, dass diese oft frei von Kindern mit muslimischen Hintergrund sind. „Es ist also umgekehrt eine Kritik unsere Konfessionsschulen zu benutzen, um sich integrativer Bemühungen zu entziehen“, so Fliege. Dies wiederum führt dazu, dass sich Deutsch als Fremdsprache unter Migrantenkindern etabliert (mehr – hier).

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