Syrische Flüchtlinge in der Türkei: Zahl der Hilfesuchenden auf 182.000 gestiegen

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge in der Türkei hat nach Angaben des türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu mittlerweile die Marke von 182.000 erreicht. Noch einmal appellierte der Politiker an die internationale Gemeinschaft, die politische Verantwortung für die Krise in Syrien zu übernehmen.

Die Türkei hat sich mittlerweile langfristig auf syrische Flüchtlinge eingestellt. (Foto:  FreedomHouse2/flickr)

Die Türkei hat sich mittlerweile langfristig auf syrische Flüchtlinge eingestellt. (Foto: FreedomHouse2/flickr)

„Wir werden sicherlich die humanitären Aufgaben übernehmen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den türkischen Außenminister Ahmet Davutoğlu anlässlich eines parlamentarischen Treffens, in dem er die neue Marke von 182.000 Flüchtlingen verkündete.

Die politische Verantwortung obliege jedoch in erster Linie den Vereinten Nationen und dann der übrigen internationalen Arena. Die Region befinde sich in einem Umgestaltungsprozess. Umso wichtiger erscheint es Davutoğlu deshalb auch auf Basis gemeinsamer Werte einhellig zu handeln. Geschehe das nicht, so fürchtet der Minister, würde man den nächsten Generationen einen weitaus unruhigeren Mittelmeerraum hinterlassen.

Europa hat während des Bosnienkrieges versagt

Während des Bosnienkrieges habe Europa seiner Meinung nach bereits versagt. Dies habe zum Tod vieler unschuldiger Menschen, darunter auch Frauen und Kinder geführt. Er warnt: „Je länger ein Konflikt dauert, desto schwieriger wird es zu intervenieren.“ Die Vereinten Nationen liefen, so Davutoğlu weiter, Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit einzubüßen. Diese müssten sich nun schnell für weiteren humanitären Zugang entscheiden und Wege finden, diejenigen zu bestrafen, die diese Hilfe blockierten, ganz gleich, ob dies von Seiten der Rebellen oder des syrischen Regimes her geschehe. „Zögern ist damit eine Chance für die Grausamkeit. Zögern stärkt autoritäre Regime.“

Erst Ende Januar dieses Jahres wurde die erste internationale Geberkonferenz für syrische Flüchtlinge unter der Schirmherrschaft der UN in Kuwait beendet. Insgesamt 59 Staaten hatten an der Konferenz teilgenommen und nicht wenige verließen den Versammlungstisch, nachdem sie finanzielle Zusagen geleistet hatten. Alles in allem kamen so gut eine Milliarde Dollar zusammen. Dass diese Gelder nun auch unbedingt und schnellstmöglich fließen müssten, stellte unterdessen der Generalsekretär der UN, Ban-Ki Moon, heraus. Denn das Sterben in Syrien gehe unaufhörlich weiter (mehr hier).

Türkei richtet sich langfristig auf Flüchtlinge ein

Das aktuelle Appell des türkischen Außenministers ist bei Weitem nicht das erste seiner Art. Seit dem Ausbruch der Unruhen in Syrien im März 2011 hat sich das Land in geradezu regelmäßigen Abständen an die internationale Gemeinschaft gewandt und diese zum Handeln aufgefordert (mehr hier). Denn die Bürde, die nicht nur die Türkei, sondern auch die übrigen syrischen Nachbarstaaten zu tragen haben, ist immens. Die nicht enden wollenden Flüchtlingsströme treiben die Staaten in vielen Bereichen an ihre absoluten Kapazitätsgrenzen. In der Türkei macht man nun aus der Not eine Tugend. Mittlerweile wurde ein eigener Gouverneur bestellt, die Infrastruktur in den Flüchtlingslagern wesentlich verbessert und den Syrern Zugang zu wesentlichen Gebieten wie Bildung und medizinischer Versorgung kostenfrei gewährt.

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