Kampf gegen den Geburtenrückgang: Türkei will Mutterschaftsurlaub auf 24 Wochen ausdehnen

Nicht nur in den westlichen Industrieländern, auch in der Türkei geht die Geburtenrate immer weiter zurück. Nun hat die türkische Regierung damit begonnen, eine Reihe von Anreizen zu implementieren, um das Land vor einer drohenden Überalterung zu bewahren. Unter anderem sollen Mütter nach der Geburt ihres Kindes künftig länger als bisher zuhause bleiben können.

Die erste Zeit ist am schönsten. Türkische Mütter sollen diese künftig länger genießen können. (Foto: JORGE RAVINES FOTOGRAFÍAS/flickr)

Die erste Zeit ist am schönsten. Türkische Mütter sollen diese künftig länger genießen können. (Foto: JORGE RAVINES FOTOGRAFÍAS/flickr)

Die Debatte über eine zunehmend alternde Bevölkerung erschien bereits vor zwei Jahren auf der Agenda des Landes. Damals begann der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan seine bis heute immer wieder eingebrachte Forderung nach mindestens drei Kindern in den Raum zu werfen. Unermüdlich versucht er die Bürgerinnen und Bürger zu ermutigen, mehr Nachwuchs zu bekommen. Er hofft, so die negativen Auswirkungen der Überalterung der Bevölkerung, einschließlich einer schrumpfenden Anzahl an Arbeitskräften und steigende Sozialausgaben zu bekämpfen (mehr hier).

Zuletzt hatte das türkische Institut für Statistik (TurkStat) für Aufregung gesorgt (mehr hier). Denn entgegen der Forderung Erdoğans kommt es derzeit zu einem weiteren zahlenmäßigen Rückgang von Familienmitgliedern. Die Größe der türkischen Familien sei von durchschnittlich 4,5 Personen in 2000 auf 3,8 Personen in 2011 gefallen, stellt der Regionaldirektor von TÜIK, Yavuz Uyar Ende Januar dieses Jahres fest. Konkret bedeutete das einen aktuellen Rückgang der Wachstumsrate der Bevölkerung von 1,3 auf 1,2 Prozent.

Langer Mutterschaftsurlaub: Frauen dürfen nicht ersetzt werden

Nun ist die türkische Regierung alarmiert. Während einer Pressekonferenz in Ankara am vergangenen Donnerstag erklärte Finanzminister Mehmet Şimşek, dass die türkische Regierung gerade an neuen Anreizen für Familien mit drei und mehr Kindern arbeite. Immerhin sei ein starkes Bevölkerungswachstum ein wichtiger Faktor bei der Verbesserung der türkischen Wirtschaft. Erste Ergebnisse gibt es bereits: Denn wie  der Minister für Arbeit und soziale Sicherheit, Faruk Çelik, Reportern am vergangenen Freitag mitteilte, wurde der Mutterschaftsurlaub von bisher 16 Wochen nun um ganze acht auf 24 Wochen verlängert. Arbeitgebern sei es zudem nicht erlaubt, Frauen, die sich im Mutterschaftsurlaub befänden, zu ersetzen. Hierdurch soll verhindert werden, dass ein langer Mutterschaftsurlaub die Beschäftigungsquote von Frauen im Land verringern könnte.

Bereits Ende vergangenen Jahres kündigte Familienministerin Fatma Şahin zudem an, ein Projekt zur Behandlung der Unfruchtbarkeit von 2.500 Familien starten zu wollen, die derzeit keine Kinder und eine staatliche Krankenversicherung hätten.

2050 fast 100 Millionen Türken

Erst am vergangenen Donnerstag wurde bekannt, dass die türkische Bevölkerung bis zum Jahr 2050 auf gut 93,4 Millionen Menschen anwachsen soll. Ihren derzeitigen Stand auf Platz 18 der Welt kann die Türkei damit aber nicht halten. Mit einer Bevölkerungszahl von nahezu 100 Millionen Menschen würde die Türkei auf Rang 20 der 187 bevölkerungsreichsten Nationen abrutschen. 2075 wäre es sogar nur der 24. Platz (mehr hier).

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