Fünf Jahre Haft: Französische Studentin Sevil Sevimli in der Türkei verurteilt

Ende September 2012 hatte der Prozess gegen die französische Studentin türkischer Herkunft, Sevil Sevimli, begonnen. Jetzt hat das Bezirksgericht in Bursa sein Urteil gesprochen. Die junge Frau, die im Rahmen eines Austauschprogramms an der Anadolu Universität in Eskişehir eingeschrieben war, wurde am vergangenen Freitag wegen „terroristischer Propaganda“ zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Die Staatsanwälte, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, beschuldigten die 21-jährige Sevil Sevimli, die zu insgesamt fünf Jahren, zwei Monaten und 15 Tagen Gefängnis verurteilt wurde, der „Mitgliedschaft in einer bewaffneten Organisation“ und der „Verbreitung von Propaganda“ (mehr hier).

Sevimli will schnellstmöglich nach Frankreich zurück

Wie der Anwalt der jungen Frau, İnayet Aksu, den anwesenden Journalisten ankündigte, wolle man das Urteil nun vor dem Obersten Gerichtshof anfechten. Hoffnungen setzten er und seine Mandantin überdies auf das vierte Justizreformpaket, das Justizminister Sadullah Ergin dem Parlament vorgelegt hat und in nächster Instanz zu einem anderen Prozessausgang führen könnte.

Während der Urteilsverkündung sei die Studentin nach Angaben ihres Anwaltes auf Grund einer Erkrankung ihrer Mutter (mehr hier) nicht anwesend gewesen. Die Entscheidung des Gerichts habe er ihr via Telefon mitgeteilt, worauf hin sie ihm mitgeteilt hätte, schnellstmöglich zurück nach Frankreich zu wollen. Möglich würde das durch eine Zahlung von 10.000 Lira. Gegen diese Summe, so verfügte das Gericht weiter, würde auch das Reiseverbot gegen die Französin aufgehoben. Umgekehrt hatte die kürzlich verurteilte Soziologin Pinar Selek angekündigt, darum zu kämpfen, wieder in die Türkei zurückkehren zu können (mehr hier).

Der französische Generalkonsul in Istanbul, Hervé Magro, bekräftigte nach dem Urteil sein Vertrauen in die türkische Justiz. „Die Aufhebung des Reiseverbots ist eine gute Nachricht. Aber wir werden das Urteil gemeinsam mit ihrer Familie auswerten.“

Studentin verbrachte drei Monate in Untersuchungshaft

Sevil Sevimli wurde bereits im Mai vergangenen Jahres verhaftet und musste ganze drei Monate in Untersuchungshaft verbringen, bevor sie im darauffolgenden August unter Vorbehalt auf freien Fuß gesetzt wurde. Die junge Frau hatte von Beginn an nicht so viel Vertrauen in das türkische Rechtswesen. Schon vor Prozessbeginn erklärte sie: „Wir sind aus absolut lächerlichen Gründen hier. Hoffentlich werde ich sobald wie möglich freigesprochen. Ich glaube allerdings nicht, dass das sofort geschehen wird.“ Sevimli wurde beschuldigt, bei einem Konzert der linksgerichteten Band Grup Yorum am 12. April 2012 in Istanbul anwesend gewesen zu sein, an den 1. Mai Feierlichkeiten teilgenommen zu haben und ein Banner, auf dem kostenlose Bildung und mehr gefordert wurde, aufgehängt zu haben.  Die junge Frauist  in Frankreich aufgewachsen.

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