Diskriminierung in Australien: Einwanderin erbittet Hilfe von türkischen Behörden

Rund 35 Jahre lang lebte Neslihan Kurosawa in Australien. Ihr Heil fand die heute 50-jährige Türkin dort allerdings nicht. Im Kampf gegen Misshandlung und Diskriminierung, der sie seit Jahren fern der Heimat ausgesetzt war, hat sie jetzt die türkischen Behörden um Hilfe gebeten.

Für die 50-jährige Neslihan Kurosawa liegt es auf der Hand: Sie und ihre Tochter wurden im fernen Australien diskriminiert, weil sie dort eine Frau mit einem anderen ethnischen Hintergrund war. Die Geschichte der Frau bewegt zutiefst. Dabei gilt Australien durchaus als ein Land, in dem das Prinzip Multikulturalismus gut funktioniert (mehr hier).

Tochter wird in der Schule beleidigt

Im Jahr 1970, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, sei sie mit ihrer Familie als damals 15-jähriges Mädchen nach Down Under gekommen. Seither habe sie auch einen australischen Pass, arbeitete später als staatlich geprüfte Übersetzerin, heiratete und ließ sich auch wieder scheiden. Heute habe sie eine 19-jährige Tochter. In Australien hatte sie ein Haus und einen guten Job. In ihrer Nachbarschaft seien sie jedoch die einzigen Türken unter vielen Armeniern und Italienern gewesen. Die Folge: Ihre Tochter sei in der Schule oft von ihren Mitschülern beleidigt worden, eben weil sie eine Türkin sei. „Sie haben meine Tochter eine ‚barbarische Türkin‘ genannt oder sagten ‚verschwindet in euer Land‘. Ich habe darüber auch mit der Schulleitung gesprochen. Doch diese wollte nichts unternehmen“, berichtet Kurosawa.

Doch die Situation verschlimmerte sich weiter. 2004 erhielt sie schließlich anonyme Anrufe in denen sie auf vulgärste Weise beleidigt wurde. Auf Grund ihres Berufes hatte sie bereits viel mit der hiesigen Polizeistation zu tun. Heute glaubt sie, dass die telefonischen Drohungen damit in Zusammenhang stehen könnten. Schließlich verlief ihre Arbeit dort nicht im Verborgenen. Mehrere Male, so berichtet sie der Zeitung weiter, habe sie ihre Nummer gewechselt. Ohne Erfolg. „Besonders erschreckend war, dass die Anrufer alles über mich wussten. Ich wandte mich hilfesuchend an die Polizei. Doch die half mir nicht. Also wandte ich mich ans Gericht. Die Gesetze in Australien basieren auf dem Schutz von Frauen und Kindern. In unserem Fall wurden sie allerdings nicht angewandt. Anstatt mir zu helfen, taten die Behörden gar nichts und verwiesen mich an andere Stellen.“

Umzug brachte keine Beruhigung der Situation

2006 dann der nächste Schlag für Neslihan Kurosawa: Es wurde ein Verfahren gegen sie eingeleitet, um ihr das Sorgerecht für ihre Tochter zu entziehen. Im Zuge dessen, so berichtet sie heute, sei auf die Kleine psychologischer Druck ausgeübt worden. Sie sei in ein Zimmer geführt und ihr dort „seltsame Fragen“ gestellt worden. Etwa, ob sie gezwungen worden sei, ein Kopftuch anzulegen, ob ihr erlaubt würde, einen Bikini zu tragen oder ob ihr ein Freund gestattet würde. Letztlich gewann sie den Sorgerechtsstreit – wenn auch mit erheblichen finanziellen Verlusten und emotionalen Schäden.

Die Familie Kurosawa, so berichtet das Blatt weiter, zog später in einen anderen Ort. Dort lebte ein hoher Anteil an Einwanderern unterschiedlichster Herkunft. „Das war jedoch kein Heilmittel für unsere Probleme, und wir beschlossen, wieder zurück in die Türkei zu gehen. Ich kann nicht glauben, dass ich all diese Schwierigkeiten dort erlebt habe. Ich war eine Einwanderin, aber auch erfolgreiche Frau in Australien. Ich will niemandem die Schuld dafür geben. Doch ich bin der Ansicht, dass wir auf Grund unserer Identität als Türken diskriminiert wurden. Ihr Ziel war es, uns zu zerstören, so dass wir diesen Ort verlassen würden“, ist sie heute überzeugt. Ein Stimmung, die nach Ansicht von Klaus J. Bade auch immer noch in Deutschland herrscht (mehr hier).

Australische Gerichtsakten sollen wieder geöffnet werden

Auf sich beruhen lassen will Kurosawa ihre australischen Erfahrungen allerdings nicht. Nach ihrer Rückkehr in die Türkei kontaktierte sie die hiesigen Behörden, darunter auch das Büro des Präsidenten, den Ministerpräsidenten sowie die Menschenrechtskommission im türkischen Parlament, und bat diese um ihre Hilfe. „Ich kämpfe für mich und meine Tochter. Sie wurde in Australien geboren und ist dort aufgewachsen. Meine Familie ist hier. Ich möchte, dass die türkischen Behörden mir helfen. Ich möchte, dass die Gerichtsverfahren, die ich in Australien angestrengt habe, wieder eröffnet werden, so dass die Justizbehörden sehen, dass wir mit unseren Beschwerden Recht hatten, dass wir misshandelt und diskriminiert wurden.“

Umgehend, so schreibt die Zaman, habe sie Antwort aus dem Büro des Präsidenten erhalten. Ihre Bitte sei sofort an das Außenministerium übergeben worden. Dort würden sich die Mitarbeiter nun mit ihrem Fall befassen. Die Zeitung hatte sich in dieser Sache auch an die australische Botschaft in Ankara gewandt. Für Botschafter Ian Biggs seien die, wie er selbst sagt, „schwerwiegenden Vorwürfe“ jedoch absolut neu gewesen.

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