Justiz: Deutsche Abgeordnet​e protestier​en gegen Fazıl Say-Prozes​s

Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten hat einen offenen Brief an Premier Erdoğan gerichtet. Die deutschen Volksvertreter fordern die Einstellung des Verfahrens gegen den weltweit bekannten Pianisten, Fazıl Say, dem die „Verletzung religiöser Gefühle“ vorgeworfen wird.

Insgesamt sollen 102 Bundestagsabgeordnete der SPD, der Grünen und der Linken einen offenen Brief an den türkischen Ministerpräsidenten Erdoğan geschrieben haben, in dem sie den Prozess gegen den weltweit bekannten Pianisten Fazıl Say verurteilen. Das berichtet die türkische Tageszeitung Taraf. Initiator des Protestbriefes ist die türkischstämmige Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen.

Say ist wegen „Verletzung religiöser Gefühle“ angeklagt, weil er sich im April 2012 über Twitter abfällig über den Koran geäußert haben soll (mehr – hier). Die Verlesung der Anklageschrift gegen Say fand schon im Oktober 2012 statt. Schon damals hatte sich die Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen für den türkischen Pianisten eingesetzt. In einer aktuellen Mitteilung sagt sie, dass Say sich in großer Gefahr befindet. Den Prozess gegen ihn bezeichnet sie als „kafkaesk“. Bei einer Verurteilung drohen ihm 18 Monate Haft.

Er sei ein bekannter Kritiker der türkischen Regierung und man wolle durch diesen Prozess ein Exempel statuieren, Dağdelen. „Jeder, der sich der Errichtung eines islamistischen Unterdrückungsstaats in der Türkei entgegenstellt, soll politisch verfolgt und ins Exil getrieben werden, wie jüngst auch die Schriftstellerin Pınar Selek “, so Dağdelen. Die deutsche Bundesregierung müsse ihre Beziehungen zum türkischen Staat grundlegend überdenken. In der Türkei gebe es derzeit tausende politisch Verfolgte. Es liege eine Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention (mehr – hier) und der freien Meinungsäußerung vor.

Die Twitter-Nachricht, die Say vom Gericht vorgeworfen wird geht paradoxerweise zurück auf den islamischen Mathematiker, Dichter und Philosophen, Omar Khayyam, der zwischen dem 11. und 12. Jahrhundert gelebt hatte. Der Pianist schrieb: „Du sagst, durch die Bäche wird Wein fließen, ist das Paradies etwa eine Schänke? Ich werde jedem Gläubigen zwei Jungfrauen geben, sagst du, ist das Paradies etwa ein Freudenhaus?” (mehr – hier).

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